Dein Atem ist Licht und Lebendigkeit

Ein wichtiger Schwerpunkt des Kundalini Yoga liegt auf dem Atem.  Das Kundalini Yoga kennt unterschiedlichste Atemtechniken: Geläufig sind  der lange, tiefe Atem, der Feueratem, das Atemanhalten (nach dem Ein- oder Ausatmen) und die wechselnde Nasenlochatmung.  Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Atemübungen, die im Kundalini Yoga praktiziert werden. Beispiele hierfür sind der segmentierte Atem, das Atmen durch alternierende Atemkanäle (Nase oder Mund) oder das Sitali Pranayam (das Atmen durch die gerollte Zunge).

Atem ist Leben. Ohne den Atem würde dein Körper aufhören zu existieren. Du kannst die Kraft des Atems nutzen, um deine Vorhaben in die Tat umzusetzen, um deinen Energielevel zu erhöhen oder um Stress zu überwinden.  Du benötigst hierfür lediglich Zeit und Aufmerksamkeit.  

,Nimm wahr, wie sich dein Atem anfühlt, wenn du aufgeregt bist. Oftmals wird der Atem dann flach und  rau. Sobald du solch ein Atemmuster wahrnimmst, kannst du beginnen, lang und tief zu atmen.  Diese Atemweise wird deinen emotionalen Zustand verändern. Manche Menschen sind zum Beispiel ängstlich, wenn sie sich im Straßenverkehr bewegen und halten sogar den Atem an!  Sobald du wahrnimmst, dass dein Atem angespannt ist, ändere dein Atemtempo bewusst in einen langen, tiefen Atem um. Das beruhigt dein Nervensystem und du weißt, dass deine Instinkte funktionieren, ohne dass du überreagieren musst.   

Stress ist ein Zustand, der mittels der Atemregulierung gut gehandhabt werden kann. Yogi Bhajan unterrichtete unterschiedlichste Meditationen für einen effektiven Umgang mit Stress. Ein Schlüsselelement all dieser Übungen ist die Atmung. Die Meditation zur Verringerung von Stress zum Beispiel besteht aus einer segmentierten Atemweise während des Einatmens und einem langen Atemzug während des Ausatmens.  Das achteilige Einatmen durch die Nase verstärkt den Energielevel des Körpers, so dass er mit einer stressigen Situation besser umgehen kann. Die Tiefe des Atems (acht Atemzüge sind eine Menge Atemluft!) sendet die Botschaft an das Nervensystem,  Achtsamkeit für die momentane Situation aufzubauen und sich auf eine stressige Situation einzustellen. Du kannst bewusster mit der Situation umgehen.  Wenn du wacher bist, dann kannst du leicht  feststellen, dass du dich nicht in einer lebensbedrohlichen Situation befindest, dass du weder kämpfen noch fliehen musst.  Das langsame Ausatmen auf einem Atemzug schenkt dir die Wahrnehmung von Frieden und Ruhe.   

Der achtteilige Atem zur Stressbewältigung und für mehr Energie

Das achteilige Einatmen führt dazu, dass du den Atem während des Zählens beobachtest. Dadurch stellst du eine Beziehung zu deinem Atem her. Wir empfehlen, diese Atemweise jeden Abend zu praktizieren. Wenn du das achtteilige Einatmen elf Minuten täglich ausübst, dann gibt dir das genügend Energie, um dich mit deinem täglichen Bedarf an Lebensenergie (Prana) zu versorgen und dich gleichzeitig effektiv zu entstressen. ~Yogi Bhajan

Haltung: Du sitzt im Schneidersitz oder auf einem Stuhl, die Wirbelsäule ist gerade aufgerichtet. Augen: Schließe deine Augen. Atem: Konzentriere dich auf deinen Atem. Atme in acht Mal durch die Nase ein und in einem Atemzug tief und kräftig aus.   Zeit: Drei bis elf Minuten. Ende: Atme tief und halte den Atem fünf bis zehn Sekunden an, dann atme aus. Wiederhole, nun halte den Atem 15 bis 20 Sekunden an und rolle dabei deine Schultern. Atme aus. Wiederhole, halte den Atem 15 bis 20 Sekunden an und rolle die Schultern so schnell du kannst. Atme aus und entspanne.

Beruhigungsatem

Haltung: Schneidersitz oder Stuhl, die Wirbelsäule ist gerade aufgerichtet.
Mudra: Platziere deine Hände vor dem Brustbein, die einzelnen Fingerspitzen berühren sich, doch die restliche Fläche der Hände ist ohne Kontakt. Die Fingerspitzen zeigen nach oben.
Fokus: Schaue auf die Nasenspitze.
Atmung: Du atmest viermal pro Minute: Einatmen fünf Sekunden, den Atem fünf Sekunden anhalten, ausatmen fünf Sekunden. Zeit: 3 Minuten bis 31 Minuten. ~ Yogi Bhajan, 18. November 1991Ein weiteres Beispiel, wie du Pranayama in deinen Alltag einbauen kannst, ist die wechselnde Nasenlochatmung. Das linke Nasenloch (Idaenergie) steht in Beziehung zur rechten Gehirnhälfte, die mit Kreativität und Sein verbunden ist. Das rechte Nasenloch (Pingalaenergie) steht im Einklang mit der linken Gehirnhälfte. Dort sind u.a. unsere analytischen Fähigkeiten lokalisiert.  Wenn du also durcheinander oder konfus bist, dann kann dir die wechselnde Nasenlochatmung mehr Klarheit schenken, indem beide Hirnhälften eine Balance erfahren.  Wenn man wütend ist, dann wirkt der Atem durch das linke Nasenloch beruhigend. Bei Schlafstörungen kann das Atmen durch das linke Nasenloch helfen.  

Der Atem ist ein machtvolles Werkzeug, um die Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks zu schärfen. Wenn du einmal gelernt hast, den Atem zu nutzen, um friedlich zu bleiben, dann wird dein Leben von alleine ruhiger. Anstatt immer auf der Suche nach Dramen zu sein, findest du Erfüllung im inneren Frieden.  Anstatt dich immer wieder selbst mit irgendwelchen Reaktionen zu sabotieren, kannst du dich darin üben, anderen mit Gelassenheit zu begegnen.  So kannst du dein Gehirn neu programmieren und überholte Stressmuster loslassen.   

Beitragsfoto: Image by Anne-marie Ridderhof from Pixabay

4 Gedanken zu „Dein Atem ist Licht und Lebendigkeit

  1. Jessica

    Liebe Sat Hari,

    ich danke dir sehr für diesen Artikel!
    Ein absolut passender Zeitpunkt für mich.
    Wie gut noch mal wieder mit der Nase drauf gestossen zu werden, welch heilsames „Handwerkszeug“, ich doch stets bei mir trage und wie wohltuend es ist, davon auch Gebrauch zu machen.

    Frieden,
    Freude,
    Licht
    Sat Nam
    Jessica

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  2. Mahatma

    Atemtechniken sind wunderbar, um mal richtig Luft zu holen (falls man nicht in einer Auto-luftvergifteten Großstadt wohnt).
    Meine Erfahrung ist aber, das der eigene Körper so richtig erst mit Sauerstoff geflutet wird bis in die kleinste Körperzelle, wenn man richtig Ausdauersport macht mit Herzfrequenzen über 120 Schläge je Minute, so das die Lunge richtig tief dabei atmet und das Blut dabei mit Sauerstoff angereichert wird und das Herz Trainiert wird. Daher mache ich beides – Ausdauersport und Yoga als Ergänzung !

    Ja was ist aber bei Stress – es gibt positiven Stress (Eustress ) und negativen Stress (Disstress) .

    Wenn man permanent unter der Psychofolter und sinnlosen Schikanen des Jobcenters (bei Hartz ) leidet (also Distress) und man permanent dadurch unter „Kopfkino“ leidet , können dann die Atemtechniken überhaupt noch wirken.
    Atemtechniken wirken doch bei mir nur, wenn man auch im Kopfe frei ist – was hätte Yogi Bajan dazu gesagt – damals gab es noch keine Hartz 4 Psychofolter!

    Mit yogischem Gruß …..

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  3. Weisbrich, Alexandra

    Hallo liebe Sat Hari Kaur,
    ich danke Dir für die Beschreibungen 🙏
    Beim Text des Beruhigungsdatum hat sich ein kleiner Fehlerteufel eingeschlichen. In dem Satz das rechte Nasenloch steht im Einklang mit der “rechten“ Gehirnhälfte. In diesem Satz muss das Wort “rechten“ ausgetauscht werden mit dem Wort “linken“.
    Sat Nam
    Anand Amrit Kaur 🙏🌌☀🌌

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