Yoga und eigenständiges Denken

Eigenständiges Denken ist essenziell, egal ob es um die Bewertung von Nachrichten, das Finden guter Informationsquellen, die Neuorientierung im Leben oder nur um die Unterstützung der Kinder im Home-Schooling geht.

Die Menschheit befindet sich im Moment in einer ähnlichen Situation wie Waldbewohner während eines großen Sturmes: Der Orkan tobt, viele erleben gerade, wie ihr gewohntes Umfeld durcheinander gewirbelt wird. Waldtiere ducken sich vor umstürzenden Bäumen und herabfallenden Ästen. So wie die Waldtiere versuchen auch wir Menschen, die beste Vorgehensweise zu finden, mit den stürmischen und Chaos erzeugenden Herausforderungen des Lebens umzugehen. Einige von uns stecken den Kopf in den Sand und hoffen auf die Hilfe anderer. Andere verfallen in Aktionismus und hasten fahrig umher. Am besten bedient sind diejenigen unter uns, die einen klaren Kopf bewahren können, tief durchatmen und mit einem klugen Plan und ihrer Intuition einen Weg durch die Misere finden.

Wenn die Waldbewohner alles für wahr halten, was ihnen erzählt wird, dann kann es sein, dass sie vollends in die Irre geleitet werden. Ein Mittel einen guten Weg durch das Chaos ist das Fragenstellen. Ratsam ist es, bei sich selbst zu bleiben und sich dafür vielleicht zurückzuziehen. Auf jeden Fall benötigt man eine gute Portion Mut zum Finden eines eigenen Standpunktes. Manchmal hilft es, sich mit anderen zu beraten, wenn diese gute, aufmerksame Zuhörer sind. Um den richtigen Umgang mit den Herausforderungen eines Sturms zu finden, ist es angeraten, die eigenen Schlussfolgerungen auch hinterfragen zu können.

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1. Sei neugierig! Der Entdecker der Relativitätstheorie Albert Einstein sagte einmal: „Ich habe keine besondere Begabung, sondern ich bin nur leidenschaftlich neugierig.“
Frage neugierig nach dem ‚Warum’ und nach den Ausnahmen. Gib dich nicht mit einfachen Antworten zufrieden, sondern frage weiter. Frage Experten und einfache Menschen, frage dich selbst. Stelle Nachforschungen an und hole dir dein Wissen aus den unterschiedlichsten Informationsquellen. Denke nach!

2. Bleibe bei dir und lerne dazu! Wenn andere unbedingt wollen, dass du etwas Bestimmtes denkst, dann haben sie womöglich Angst davor, dass du ihr eigenes Glaubenskonstrukt zerstörst. Sie fühlen sich mit ihren Überzeugungen sicher und wollen dich eventuell sogar beschützen! Einige fühlen sich als Autoritäten hinterfragt, wieder andere verfolgen wirtschaftliche oder politische Interessen und möchten keinesfalls, dass du nachhakst. Suche also nach eigennützigen Motiven. Prüfe kritisch die unterschiedlichen Standpunkte und bilde dir am Ende deine eigene Ansicht zum Thema. Sei jedoch auch bereit dazuzulernen.

3. Genieße die Zeit mit dir! Es ist nicht leicht, gegen den Strom zu schwimmen. Wir Menschen sind Herdentiere. Im entwicklungsgeschichtlich ältesten Teil des Gehirns, dem Hirnstamm, ist das menschliche Bedürfnis nach Anschluss verankert und rangiert damit neben unseren Reflexen und automatisch ablaufenden Vorgängen wie Atmung oder Verdauung.

Die London School of Economics und die Singpore Management University haben sich in einer Studie mit diesem Phänomen beschäftigt. Dabei wurden 15.000 Menschen befragt. Das erstaunlichste Ergebnis: Besonders intelligente Menschen sind glücklicher, wenn sie mehr Zeit alleine statt mit Freunden oder mit Familie verbringen. Es kann folglich glücklich machen, es nicht immer allen recht machen zu müssen und eigene Schlüsse ziehen zu können. Menschen, die dich lieben, sind eher bereit, sich mit deinen Ansichten auseinanderzusetzen und dir ihren Standpunkt und ihre Gefühle zu erläutern. Sie erlauben dir, selbst herauszufinden, ob dir ihre Überzeugungen als Antwort reichen oder ob du noch weiter recherchieren möchtest.

4. Sei mutig! Es ist wichtig, auch die eigene Meinung immer wieder zu überprüfen. Wenn du für dich selbst denkst, übernimmst du die Verantwortung für dein Leben und deine Handlungen. Du kannst nun nicht mehr behaupten, dass du nur dem Urteil einer anderen Person vertraut hast.

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5. Gemeinschaft ist wichtig! Auch unsere Mitmenschen können uns dabei unterstützen, eigenständiges Denken zu üben. Verhält man sich zum Beispiel Kindern gegenüber aufmerksam und wertschätzend, dann fördert das aktive Zuhören nachweislich das eigenständige Denkvermögen dieser Kinder. Ein Austausch auf Augenhöhe und der passende Ort hierfür regt eine Denkart an, die auf eigener Grundlage fußt. Andersherum kann eine wettbewerbsorientierte Atmosphäre, in der Selbstwahrnehmung nicht gefragt ist, emanzipierte und selbstbestimmte Gedankentätigkeiten untergraben.

Nicht alle mögen in Einsamkeit nachdenken. Gemeinsames Denken kann die mehrperspektivische Durchdringung von Problemen erhöhen. Damit sich ein denkerischer Erfolg einstellt, ist es allerdings wichtig, dass man sich gegenseitig zuzuhören und die eigenen Gedanken schlüssig erklären kann.  

6. Sei ein*e Alltagsphilosoph*in! Philosophie bedeutet übersetzt „Liebe zur Weisheit“. Seit ihren Anfängen war die Philosophie eine Form der Provokation. Auch der Philosoph Sokrates (470–399 v.Chr.) galt als öffentliches Ärgernis. Er war ärmlich gekleidet, trug keinen Schmuck und lief barfuß. Übliche gesellschaftliche Werte wie Erfolg oder Wohlstand stellte er infrage. Als Sokrates wegen Gotteslästerung verurteilt wurde, warf er dem Gericht Unfähigkeit vor. Daraufhin entschied das Gericht auf Tod durch Gift. Philosophische Grundprinzipien sind:

a. Selber denken – bete nicht nach, was andere sagen.   

b. Sich in einen jeden anderen denken – d.h., versetze dich in die Lage einer anderen Person und versuche eine Situation durch die Augen des anderen zu betrachten. So kannst du einen „Blick fürs Ganze“ entwickeln.

c. Mit sich einstimmig denken – sei kritisch mit deinen eigenen Gedankengängen.

Yogatipps für einen klaren Kopf

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1. Tipp: Tief Durchatmen hilft immer

Der lange, tiefe Atem beruhigt den emotionalen Wellengang und wirkt harmonisierend auf Körper, Geist und Seele. Er regt die Drüsen an, stärkt die Selbstheilungskräfte, das Gehirn und das Nervensystem. So können Verstand, Selbstwahrnehmung und Intuition ein ausgewogenes Ganzes bilden und der Sinn eines Problems und ein Lösungsweg lassen sich leichter finden.   

Konzentriere sich auf die Ein- und die Ausatmung. Während der Einatmung weitet sich der Bauch, die entspannten Bauchmuskeln wölben sich nach vorne und zu den Seiten hin aus. Nun weitet sich der Brustkorb, die Rippen dehnen sich. Am Ende der Einatmung dehnen sich die Lungenspitzen hinter den Schlüsselbeinen.

Ausatmung – stelle dir folgende Reihenfolge vor: Lasse zuerst die Luft aus den Lungenspitzen entweichen, dann aus dem Brustkorb, am Ende ziehst du den Bauch nach innen. Bleibe mit deiner Aufmerksamkeit bei jedem Atemzug.

Atme auf diese Weise für drei bis elf Minuten. Achte darauf, dass dein Rumpf aufgerichtet ist, so dass deine Lungen sich optimal weiten können.

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Tipp 2: Gehen

Spazierengehen an der frischen Luft wirkt entstressend, da dein Körper Adrenalin abbauen und Kraft tanken kann. Der Rücken wird gestärkt, das Becken mobilisiert und du erdest dich. Die Gedanken in deinem Kopf sortieren sich, du findest leichter Antworten, Auswege und Bewältigungsstrategien.

Tipp 3: Du denkst, was du isst

Es denkt sich besser, wenn man sich ausgewogen ernährt und gut schläft. Schlechte Ernährung macht das Gehirn träge und zu wenig Schlaf schwächt die Nerven. Man ist anfälliger für Ängste und Irrationalitäten.

Meditation für einen ruhigen Geist

Diese Meditation kann den Geist innerhalb von drei Minuten beruhigen. Die Handposition wird „Mudra, das dem Geist gefällt“ genannt.  

Haltung: Setze dich in den Schneidersitz mit einem geraden Rücken.  Ziehe das Kinn in Richtung Hals, sodass der Nacken lang ist.

Mudra: Die Hände befinden sich auf Höhe des Herzens. Die Ellenbogen sind gebeugt und werden auf Höhe der Hände gehalten. Krümme die Jupiter-Finger (Zeigefinger) jeder Hand in Richtung der Handflächen und drücke die zweiten Zeigefingergelenke gegeneinander. Die Saturn Finger (Mittelfinger) sind ausgestreckt. Die Fingerkuppen beider Mittelfinger treffen sich. Deine Daumenspitzen berühren sich ebenfalls und weisen zum Körper und die anderen Finger sind  eingerollt. Halte die Hände ungefähr  fünf Zentimeter vom Brustbein entfernt, wobei die ausgestreckten Mittelfinger vom Körper weg zeigen.

Augenfokus: Konzentriere dich auf die Nasenspitze.

Atem & Mantra: Atme vollständig ein und halte den Atem an, während du ein Mantra deiner Wahl elf bis einundzwanzig mal wiederholst. Atme aus, halte den Atem an und wiederhole das Mantra elf bis einundzwanzig mal.

Zeit: Meditiere für drei Minuten.

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