Kundalini Yoga und Tanz

Tanzen ist die Umsetzung von schöpferischen Einfällen, Gedanken und Emotionen in Bewegungen. Ein Tanz kann von Rhythmen, Tönen, Klängen und Musik begleitet sein. Ebenso kann eine tanzende Person von einem inneren Bild, Klang oder Gefühl inspiriert sein und ganz auf Tonstücke verzichten. Tanzen kann darstellende Kunst, eine Sportart oder ein Brauchtum sein. Ein Tanz kann der sozialen Interaktion dienen oder als Mittel des Gefühlsausdrucks genutzt werden. Auch im Yoga wird getanzt. Yogi Bhajan setzte Musik und Tanz ein, damit seine Schüler*innen nach langen Meditationen loslassen konnten. Während des Yogas diente das Tanzen als Reinigung und als Ausdruck von Gefühlen und Spiritualität. Shakti Dance ~ das Yoga des Tanzes ~ als eigene Richtung entwickelte sich. Diese Tanzform koordiniert Körper, Atem und Mantra und erzeugt damit einen rhythmischen, organischen Fluss. Ziele des Yogatanzes sind Freiheit, Präsenz, Lebendigkeit, Gesundheit, Freude und dem Selbst Ausdruck zu verleihen.

Die ältesten erhaltenen Dokumentationen des Tanzens sind übrigens indische Höhlenmalereien, die im Zeitraum zwischen 5000 und 2000 v. Chr. entstanden. Darstellungen der frühesten Formen des Hinduismus zeigen den Gott Shiva als Natraja, den „König des Tanzes“. In Indien findet sich mit dem zwischen 400 und 200 v. Chr. entstandenen Natyashastra, der „heiligen Wissenschaft des Tanzes“, das einflussreichste Frühwerk zum Thema Tanz.

Nataraja

Die unendliche schöpferische Energie führt in der Form des Gottes Shiva einen kosmischen Tanz auf. Shiva tanzt die drei Urprinzipien Schöpfung, Zerstörung und Neubeginn. Er nennt sich in dieser Form Nataraja, König des Tanzes. Als Tanzender drückt Shiva sein rhythmisches und musikalisches Spiel aus. Shivas Tanz ist die Quelle aller Bewegung innerhalb des Universums. Dargestellt wird dies durch den kreisförmigen Feuerrahmen, der den tanzenden Shiva umgibt. Ein Zweck von Shivas Tanz ist, die Seelen aller Menschen aus der Falle der Illusion zu befreien. Der Ort des Tanzes, der als Zentrum des Universums gilt, befindet sich tatsächlich in jedem unserer Herzen.

Shiva-Nataraja ist ein vierarmiger Tänzer. Aus seiner linken Hand lodert eine Flamme. Agni, das heilige Feuer, dient der Reinigung, der Transformation und der Heilung, es wird aber auch als Substanz unserer Seele und als Lebensessenz definiert. Durch die Drehungen des Tanzes fliegen Shivas Haarflechten um ihn herum und bilden eine Art kraftvolle Aura. Shiva steht mit dem rechten Fuß auf dem Zwergendämon Apasmara. Dieser verkörpert die Unwissenheit und die Dummheit. Das linke Bein ist erhoben. In seiner oberen rechten Hand hält der König des Tanzes eine Handtrommel, mit seiner unteren rechten Hand führt er ein Schutzmudra aus. Der untere linke Arm bildet eine Parallelfigur zu seinem linken Bein.

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Shiva als König des Tanzes umfasst die Gesamtheit des Kreierens, Zerstörens und von allem, was dazwischen liegt. Der Tanz des Nataraja ist eine furchtlose Feier der Freude. Shiva ist umgeben von Feuer und unberührt von den Kräften der Ignoranz und der Stupidität. Nataraja tanzt eine Spiritualität, die alle Dualität überwindet.

Kundalini Yoga und Tanz

Yogi Bhajan forderte seine Schüler*innen immer wieder zum Tanzen auf. So sagte er anläßlich eines Meditationskurses in Los Angeles vom 19. Februar 1992:

Folgt dem Meister des Tanzes, folgt dem Meister des Tanzes. Schwungvoll, schwungvoll, schwungvoll! Alle sind gleich vor den Augen Gottes und tanzen. Hey, tanze! Befreie dich von deinen Krankheiten. Das ist ein Tanz für die Gesundheit. Tanze und schwitze! Wir brauchen einen wilden Tanz. Bewege alles, was du hast. Tanzen, tanzen. Jeder tanze! Es sind abwechselnd Gong und Trommelmusik zu hören, jetzt ist nur noch der Gong zu hören. Bitte hinsetzen. Waah Yantee (Großes Selbst), Kar Yantee (Kreatives Selbst). Führe deine gefalteten Hände vor deiner Mitte zusammen. Meditiere auf den Klangstrom. Die Waah-Yantee-Mantramusik wird eingespielt.

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Folgendes Zitat stammt aus einem Vortrag, den Yogi Bhajan in Los Angeles hielt (28. Mai 1979):

Ich bin der Kosmos. Du hast das Recht, so zu denken. Und all diejenigen, die den Kosmos noch nie gesehen oder erlebt haben, ihn nicht fühlen oder mit ihm in Berührung gekommen sind, werden immer der Meinung sein, dass dies die einzige Art ist, wie man leben kann. Es ist ein automatischer Gedanke, er ist in unseren Genen.

Was ist die Zelle? Jede Zelle ist ein Shiva-Tanz. Das sagen die alten Schriften. Was ist ein Shiva-Tanz? Elektronen, Neutronen und Protonen tanzen miteinander in der passenden Schwingung von Kreativität und Ausrichtung. Die drei Anteile eines Atoms tanzen ständig.

Shivam Brahmam, Shivam Brahmam, Shivam Brahmam. Während dieses Nityrias (Tanzes) tanzt Shiva in Brahma, dem Gott der Kreativität. Heutzutage kennen wir das Atom und den Atomtanz. Doch die Weisen vor langer Zeiten wussten das ebenfalls. Der Tanz von Shiva, der Tanz des Todes, basiert auf dem Leben und das Leben basiert auf diesem Tanz des Todes. Daher, so sagten die Weisen, gebe es keinen Tod. Nichts sterbe, weil nichts lebe. Die Alten kannten so etwas wie eine Urknalltheorie. Man kann es nicht richtig auf Englisch ausdrücken.

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Last but not least – Tanzen ist gesund

Tanzen wirkt sich auf viele Bereiche des Körpers und des Geistes aus. Das Tanzen verbessert die Muskelarbeit. Muskeln, Faszien, Bänder und Gelenke werden stärker und und elastischer. Da Gehirn wird durchblutet. Tanzen macht wacher, die Verknüpfung der Hirnzellen wird angeregt und die Gedächtnisleistung gesteigert. Daher eignet sich das Tanzen für Jung und Alt. Tanzen verbessert die Haltung, macht das Herz leistungsfähiger und wirkt reinigend. Die Atmung wird besser. Nachweislich stimuliert das Tanzen das Immunsystem. Abwehrzellen werden gebildet und halten Krankenheitserreger in Schach. Das Hormonsystem von Tanzenden wird angeregt, infolge dessen schüttet der Körper die Glückshormone Endorphin und Serotin aus. Außerdem kräftigt das Tanzen alle Organe und ihre Funktionen.


Ein Tanz zu Ehren Shivas. Shiva Shiva Shambho – Oh Shiva, du bringst alles Gute. Oh großer Gott, führe mich zum höchsten Heil.



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