Erdendes Herbstyoga für gute Laune

Im Herbst zieht sich die Natur zurück und die Tage werden kürzer und es wird kühler. Die Blätter verfärben sich, welken, lösen sich von den Zweigen und die Bäume und Sträucher werden kahl. Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) identifiziert fünf Jahreszeiten. Neben den vier uns bekannten Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter kennen die Chinesen eine Übergangsjahreszeit, die jeweils zwischen den einzelnen Jahreszeiten stattfindet. Praktiziere erdendes Yoga für gute Herbstlaune und Loslassen und das Gestalten des Übergangs fällt dir leichter.

Herbstzeit ist Rückzugszeit

Der Übergang zwischen den Jahreszeiten ist geprägt von dem Element Erde. Die harmonische, ausgeglichene Erdenergie lädt dazu ein, langsam nach innen zu gehen, zu reflektieren und sich auf die jeweilige Jahreszeit vorzubereiten. Im Herbst regiert das Element Metall und die Energie wird dichter und zentriert sich. Nimm dir Zeit, dich zurückzuziehen und dich von Überflüssigem zu trennen. Die Ernährung ist in der chinesischen Medizin an die Jahreszeit angepasst: Viel Kürbis, Kartoffeln, Walnüsse und Kastanien können jetzt auf deinem Speiseplan stehen.

Herbstwetter ist oftmals windig und kühl. Das sogenannte Vata-Dosha der ayurvedischen Medizin entspricht diesen Eigenschaften. Ein Dosha beschreibt die Konstitution eines Menschen und das Ayurveda kennt drei Doshas. Sie setzen sich zusammen aus fünf Elementen: „Vata“ aus Luft und Raum, „Pitta“ aus Feuer und Wasser, „Kapha“ aus Wasser und Erde. Ähnlich wie die Herbststürme für Turbulenzen sorgen, kann Vata im Herbst aus dem Gleichgewicht geraten und empfindliche Personen leiden vermehrt unter durch Ängste und Sorgen verursachte Schlafstörungen. Die Haut und die Schleimhäute werden trockener oder man verspürt eventuell Kopf-, Rücken- oder Gelenkschmerzen.

Wärme und Erde für die Gesundheit

Um das Vata-Dosha auszugleichen, helfen Bewegung, frische Luft, Ruhe, Rückzug und Regelmäßigkeit. Auch wärmende und erdende Rituale, nährende Ölmassagen mit Sesam- oder Mandelöl und eine substanzreiche Ernährungsweise balancieren überschüssiges Vata aus und bereiten gut auf den Winter vor. Erdend wirken Gemüsesorten, die in der Erde wachsen: Pastinaken, Möhren, rote Beete, gekochte Zwiebeln und auch Kartoffeln. Gekochte Nahrung wirkt ebenfalls Vata reduzierend. Ausgleichend sind Linsen und Mungbohnen. Vatazeit ist Suppenzeit! Warme Getränke, wie heißes Wasser, Ingwer- und Yogitee, sind gut für die Verdauung und den Stoffwechsel und wärmen von innen.

Resümee: Während der Herbstzeit geht es um die Konzentration auf das Wesentliche. Im Herbst ist es an der Zeit, den Blick wieder mehr nach innen zu richten und loszulassen, was einem nicht mehr dienlich ist. Erdendes Yoga für gute Laune im Herbst verbindet dich mit deiner Lebensfreude.

Herbstyoga

Malasana, die tiefe Hocke für die Erdung

Die tiefe Hocke ist eine Wohltat für Rücken und Beine und sie wirkt erdend. Um die natürliche Hocke mit aufgesetzter Fußsohle wieder zu erlernen, kannst du kannst dir eine aufgerollte Decke oder ein Kissen unter die Fersen legen.

Ausführung

Stell dich etwa schulterbreit hin und gehe langsam mit geradem Rücken in die Knie. Die Fußspitzen zeigen idealerweise nach vorn und können aber auch etwas nach außen zeigen. Die Fußsohlen (auch die Fersen!) stehen flach am Boden. Unten angekommen, richte den Oberkörper auf, ziehe das Kinn in Richtung Hinterkopf, atme lang und tief und spüre in dich hinein. Bleibe für ein bis zwei Minuten in der Position.

Pashchimottanasana, die Vorwärtsbeuge im Sitzen

Die Vorwärtsbeuge im Sitzen wirkt lösend und beruhigend, versorgt die Hüft- und Kniegelenke und durchblutet die Füße. Aus diesem Grunde wirkt die Übung erdend. Im Kundalini Yoga heißt die Übung auch Lebensnervstreckung.

Ausführung

Du setzt dich auf eine Unterlage (gefalteten Decke, Keilkissen) und unterstützt dadurch die Wirbelsäule. Deine Sitzknochen berühren den Boden und du streckst die Beine lang nach vorn aus, aber hältst die Kniekehlen weich. Du schiebst die Fersen aktiv in den Boden. Drücke die Oberschenkel nach unten, aber halte die Knie weich. Wenn die Rückseiten deiner Beine verkürzt sind, dann beuge die Knie. Du atmest tief ein, streckst die Arme nach oben, hebst dein Brustbein an und beugst dich mit der Ausatmung nach vorn, und zwar nur so weit, wie du den Rumpf lang halten kannst. Wenn möglich, umgreifst du mit den Händen deine Zehen. Wenn nicht das nicht funktioniert, dann nimmst du dir einen Yogagurt, einen Gürtel oder Strümpfe zur Hilfe. Begebe dich langsam und achtsam in die Lebensnervstreckung.


Mit jeder Einatmung hebst und streckst du die Oberkörpervorderseite ein wenig, mit jeder Ausatmung lässt du dich ein bisschen weiter in die Vorwärtsbeuge sinken. Durch die Dehnung des unteren Rückens kann der Nervus ischiadicus eine Entspannung erfahren und Rückenbeschwerden gemindert werden. Atme lang und tief. Bleibe für ein bis drei Minuten lang in der Haltung.

Shavasana, die Tiefenentspannung in der Rückenlage

Shavasana wirkt ausgleichend auf das vegetative Nervensystem und entspannt Muskeln, Bänder und Gelenke. Die Asana erdet und unterstützt die Entstressung. Das Immunsystem wird gestärkt und die geistigen Kräfte wieder hergestellt.

Ausführung

Lege dich auf den Rücken. Die Armen ruhen an den Seiten und die Handflächen zeigen nach oben. Die Beine sind lang ausgestreckt. Schließe die Augen und atme lang und tief in den Bauch. Lasse alles andere los. Gehe innerlich durch deinen Körper und gib den Füßen und Beinen, dem Becken und dem Rücken, den Schultern, den Armen und den Händen, dem Kopf und dem Gesicht und deinen Gedanken die Erlaubnis, sich zu entspannen. Musik ist nicht notwendig, aber wenn du Entspannungsmusik wünschst, dann wähle ruhige Mantra- oder Instrumentalmusik. Du kannst dich gerne zudecken. Entspanne für sieben bis elf Minuten.

Meditation für ein ruhiges Herz

Diese beruhigende und erdende Meditation inkludiert eine Atemübung (Pranayama), lindert Ängste und fördert innere Ruhe und geistige Klarheit. Sie unterstützt dich dabei, in deine Mitte wiederzufinden, wenn du aufgeregt und gereizt bist. Körperlich stärkt diese Meditation die Lungen und das Herz.

Ausführung

Sitze im Schneidersitz, vielleicht mit einem Kissen oder einer gefalteten Decke als Unterlage und ziehe dein Kinn in Richtung Hals. Lege deine linke Hand auf die Mitte der Brust (Herzzentrum). Die Handfläche liegt flach an der Brust an, die Finger sind parallel zum Boden gerichtet und zeigen nach rechts.
Bilde das Gyan Mudra mit der rechten Hand (berühre mit der Daumenspitze die Spitze des Zeigefingers) und hebe den rechten Arm an. Die Hand befindet sich auf Höhe des Halses und die Handfläche zeigt nach vorne. Die drei Finger, die nicht im Gyan Mudra sind, zeigen nach oben. Entweder schließt du die Augen ganz oder sie sind zu 1/10 geöffnet.

Atme lang und tief durch die Nase ein. Dann halte Atem an und hebe den Brustkorb an. Halte den Atem so lang wie möglich an. Dann atmest du gleichmäßig und vollständig aus. Wenn der Atem vollständig ausgeatmet ist, hältst du den Atem so lange wie möglich aus. Konzentrieren dich auf den Atemfluss. Atme zum Ende der Meditation dreimal kräftig ein und aus. Entspanne dich. Meditiere für drei bis elf Minuten. Hier findest du den Originalbeitrag.

4 Gedanken zu „Erdendes Herbstyoga für gute Laune

  1. Ishvara Kaur

    Mein Chiropraktiker hat angemerkt, dass wir die europäische Wirbelsäule und Haltung nicht berücksichtigen:
    Wir Europäer müssen ! die Füße nach außen stellen, da wir mit den Indern -oder Asiaten nicht den gleichen Körperbau haben. Wir tuen falsch daran, die Füße parallel zu stellen.
    Nach meiner eigenen Erfahrung bin ich ich der Meinung : Das ist richtig!

    Ebenso müssen wir die Muskeln immer warm halten, wir leben nicht in Indien, ein Riesen! Unterschied!!!!
    Ich bin kein Bikram Fan… aber richtig ist: Yoga immer in gut temperierten Räumen zu machen, damit die Muskeln nicht verkrampfen.

    Liebst. Ingrid

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  2. Sundri Deva Kaur

    Ein wundervoller Beitrag, der mir heute Morgen Ruhe, Einkehr und Zuversicht schenkt!
    Ich war schon beim Lesen direkt Zuversichtlicher! 🙏🏻

    Freue mich, die Übung später durchzuführen!

    Sat Nam

    Antworten

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