Lebensstrategie Loslassen

Eine uralte Weisheit der Dakota-Indianer besagt: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steige ab.“ Diese Erkenntnis beschreibt eine Situation, in der ein Mensch ein Ziel erreichen will. Es ist offensichtlich, dass er es mit seinen Ressourcen nicht erreichen kann. Dennoch er versucht krampfhaft, sich an etwas nicht mehr Existierendes zu klammern. Er reitet ein totes Pferd. Die Person kann nicht glauben, dass das Pferd nicht mehr lebt. Sie besorgt sich vielleicht eine stärkere Peitsche, um das Pferd wieder auf die Beine zu bringen. Möglicherweise besucht sei einen Workshop, um die Lebensgewohnheiten toter Pferde besser verstehen zu können. Hier lernt sie sitzen zu bleiben, mit der Hoffnung, dass das tote Pferd wieder aufsteht. Eventuell kauft sie ein paar Vitamine, die tote Pferde schneller laufen lassen und sagt sich: ‚Es muss funktionieren, ich reite das Pferd doch schon so lange.‘

Nichtsdestoweniger bewegt sich das Pferd keinen Millimeter vorwärts. Früher oder später kommt der Zeitpunkt, an dem die Person begreift: Dieses Pferd ist tot – meine Ressource ist unbrauchbar. Das Pferd kann für einen besonderen Mensch, für Geldmittel, für einen Arbeitsplatz, für einen nicht erfüllbaren Wunsch oder Lebenstraum stehen. Der Mensch weiß, dass er loslassen und sich neu orientieren muss.

Durch den Abschied von dem toten Pferd entsteht möglicherweise eine schmerzliche Lücke, eine innere Leere und man verspürt Trauer.  Loslassen ist in vielen Fällen gefürchtet, weil es so manchen taumeln und straucheln lässt. Doch das Pferd kann endlich begraben werden und man darf sich neu ausrichten.

Ewiglich verändert sich der Fluss des Lebens. Wir beobachten das an den Jahreszeiten, an den wechselnden Mondphasen, an unserem eigenen Wandel. Goethe beschrieb das so: Man sieht die Blumen welken und die Blätter fallen, aber man sieht auch Früchte reifen und neue Knospen keimen. Das Leben gehört den Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.

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Assoziiert ist der richtige Moment für das Freigeben mit der eigenen, privaten, subjektiven inneren Ordnung. Eine Faustregel ist: Wir sollten ziehen lassen, was uns lähmt und uns auf Dauer nicht guttut.

Nur festzuhalten verhindert die innere Weiterentwicklung. Der Künstler Vincent van Gogh sagte einmal: Wandlung ist notwendig wie die Erneuerung der Blätter im Frühling. Durch das ganze Leben des Menschen zieht sich ein dauerndes Loslassen von Lebensphasen, Personen, Orten, Trends oder Gepflogenheiten. Mit anderen Worten: Nichts bleibt für immer. Klammern ist also keine besonders kluge Überlebenstaktik.

Festhalten lohnt sich, wenn Vitalzeichen wahrzunehmen sind, daher hat die Beharrlichkeit auch positive Seiten. Das Pferd könnte durch gute Betreuung wieder auf die Beine kommen und ein Weiterkommen wäre möglich. Ein totes Pferd sollte jedoch nicht weiter gepflegt werden. Es gehört unter die Erde!

Auch wenn man schon viel in einen Traum oder ein Projekt investiert hat, kann einem das Loslassen wie ein ungeheures Versagen vorkommen. Man verbeißt sich in die einmal gesteckten Ziele, auch wenn sie nicht zu erreichen sind, weil man seinen Irrtum nicht zugeben will.  

Natürlich kommt das auch in der Liebe vor: Am Anfang war man verliebt und beim Anblick des anderen schlug das Herz höher. Der geliebte Mensch erschien einem wie das Schönste auf Erden.  Doch nach vielen Jahren des Zusammenlebens, des Streitens und des Schweigens stellt man fest: Dieses Pferd ist tot. Es ist keine Entwicklung möglich. Man bleibt nur zusammen, weil man sich sagt: „Jetzt haben wir es schon so lange miteinander ausgehalten.“  

Gehenlassen, wenn noch Leben pulsiert, ist herzlos. Sich von etwas lösen, weil es nicht mehr existiert, ist gesund. Loslassen in der Liebe kann bedeuten, dass man sich trennt. Es kann aber auch bedeuten, dass man ganz neue Wege geht, eine Therapie beginnt und sich mehr um sich selbst kümmert. Vom toten Pferd abzusteigen hat möglicherweise zur Folge, dass man gewaltfreie Kommunikation lernt und sich von überlebten Beziehungsgewohnheiten befreit.

Meditation für Veränderung

Meditation für den Wandel

Das Gesetz des Universums ist der Wandel. Alles verändert sich. Doch mit jeder Veränderung im Leben des Menschen scheint sich die Bindung an sein Ego niemals zu ändern. Du entwickelst dich, aber dein Ego lässt dich deine Reife und dein Potenzial nicht erkennen. Das schafft einen Zustand ständiger Anspannung im Geist. Der Unterschied zwischen deiner Gegenwart und der Wahrnehmung deiner Realität durch dein Ego erzeugt Zweifel und erzeugt Leid. Der Zweifel  lässt dich innerlich schrumpfen und stiehlt dir deine Lebensfreude.

Das Ego lässt keine Veränderung zu. Um aus der Dunkelheit herauszukommen, muss man lernen, sich selbst einzuschätzen und sich mit dem tiefsten Selbst zu verbinden. Mit dem tiefsten Selbst ist im yogischen Kontext  die unzerstörbare, ewige Essenz des Geistes gemeint. Dieser Teil wird häufig als „Seele“ übersetzt.

Um die Selbsteinschätzung zu unterstützen, die unbewusste Kommunikation zu verändern und zu entblockieren, kann man  diese Meditation täglich praktizieren.

Körperhaltung: Sitze mit einer geraden Wirbelsäule im Schneidersitz oder auf einem Stuhl. Hebe das Brustbein an.

Mudra: Mache eine Faust. Lege die Fingerspitzen auf die Handballen direkt unterhalb der Finger. Dann bringst du die beiden Hände in der Mitte der Brust zusammen. Die Hände berühren sich nur an zwei Stellen leicht: am ersten Gelenk der Mittelfinger (Saturnfinger) und an den Daumenkuppen. Die Daumen sind zum Herzzentrum hin ausgestreckt und werden zusammengedrückt. Halte die Position und fühle den Energiefluss zwischen Daumen und Mittelfingergelenk.

Augen: Geschlossen.

Atmung:  Atme lang und tief und meditiere auf den Fluss des Atems.

Zeit: Drei bis einunddreißig Minuten lang fortfahren.

Ende: Atme tief ein, atme aus und entspanne.

Wenn du die Meditation 31 Minuten lang praktiziert hast, kannst du bei Bedarf länger entspannen.

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