Stärke deine Tiefensensibilität mit Kundalini Yoga

Stärke deine Tiefensensibilität mit Kundalini Yoga, denn das geschieht während der Praxis auf natürliche Weise. Die Yogaform fokussiert während des Übens, der Entspannung und der Meditation fortwährend nach innen. So wird die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und damit die Tiefensensibilität gestärkt. Während Kinder, die sich nach Herzenslust bewegen dürfen und ihre Körper als ihr Zuhause wahrnehmen, haben Pubertierende ein verringertes Körpergefühl. Das hängt unter anderem mit der veränderten Körperchemie und den kräftigen Wachstumsschüben der Entwicklungsjahre zusammen.

Stärke deine Tiefensensibilität mit Kundalini Yoga – die Erfahrungen einer Yogini

Eine langjährige Yogaschülerin erzählte uns, dass sie sich als Jugendliche eher von außen betrachtete. Sie verglich sich mit anderen Mädchen und Frauen und schnitt im Nebeneinanderhalten mal besser, mal schlechter ab. Mit der stärkeren Außenwahrnehmung verlor sie die Fähigkeit, sich zu spüren. Als sie sechzehn Jahre alt war, bemerkte sie zu ihrer Verwunderung, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihren Füßen hatte.

Das änderte sich während ihrer ersten Kundalini-Yoga-Stunden, die sie als Zwanzigjährige besuchte. Ihre Augen waren während des Übens geschlossen und so fokussierte sie automatisch auf ihr Inneres. Wie durch einen Zauber begann sie sich wieder fühlen.  Was war geschehen?

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Die Bedeutung des Innensinns

Mithilfe der fünf Sinne Sehen, Fühlen, Hören, Riechen und Schmecken scannen wir die Außenwelt. Doch es gibt noch einen sechsten Sinn und das ist die Eigenwahrnehmung oder Tiefensensibilität. Der lateinische  Fachausdruck für diesen Innensinn ist Propriozeption (proprius = eigen; recipere = aufnehmen, empfangen).

In unseren Muskeln, Gelenken, Sehnen, Bändern und ganz besonders in unseren Faszien, befinden sich feinste Körperrezeptoren. Diese geben Informationen über die Gelenkstellung, die Position des Körpers im Raum, die Muskelspannung und die Bewegungsrichtung an das Nervensystem weiter. Der Wahrnehmungsvorgang läuft meist automatisiert und unbewusst ab. Eine gute Eigenwahrnehmung umfasst die Koordinations- und Gleichgewichtsfähigkeit, sowie die Anpassungs- und Reaktionsfähigkeit.

Die Eigenwahrnehmung kann sich nach Verletzungen, bei Inaktivität, nach einschneidenden Erlebnissen, nach traumatischen Begebenheiten oder während einschneidender körperlicher Veränderungen, wie zum Beispiel Schwangerschaft und Geburt, einen Wandel erfahren.

Die Tiefensensibilität von Frauen nach einer Geburt

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Während einer Schwangerschaft wachsen die Körperrezeptoren und geben vermehrt Informationen an das Nervensystem weiter. Wenn eine Schwangere über eine gute Propriozeption verfügt, dann lassen sich Hebamme und medizinisches Fachpersonal gerne die Wahrnehmung ihrer inneren Befindlichkeit mitteilen und diese in ihre Diagnosestellung miteinfließen.

Die Tiefensensibilität von Frauen nach einer Geburt muss erst wieder aufgebaut werden. Es mangelt vielen Müttern kleiner Babys an einer guten Eigenwahrnehmung, da das Ende der Schwangerschaft abrupt geschieht und die Geburt eine einschneidende körperliche und geistige Erfahrung ist.  

Den sechsten Sinn kann man trainieren, indem man die Aufmerksamkeit nach innen richtet. Wenn man während der Übungen die Augen schließt und sich auf einen inneren Konzentrationspunkt fokussiert, dann praktiziert man klassisches Propriozeptionstraining.

Die Innenwahrnehmung ist auch mit dem Gleichgewichtssinn verbunden. Daher gehören auch Wackelübungen oder Übungen, die auf einem Bein ausgeführt werden, zum Training einer guten Tiefensensibilität. Alle Übungen, welche die Kernmuskulatur stärken, hierzu gehören Übungen für die primäre Rückenmuskulatur, den tiefe, quere Bauchmuskel und den Beckenboden, stärken die Innenwahrnehmung.

Pratyahara

Dem achtgliedrigen Yogapfad des Patanjali nach ist es angeraten, die Sinne nach innen zu richten, um sich konzentrieren zu können. In den Yogasutren des Patanjali wird die Vorgehensweise Pratyahara genannt. „Prati“ bedeutet „gegen” oder „weg”, „Ahara“ bedeutet „Nahrung”, also etwas, was von außen kommt.  

Erst wenn die Yogini oder der Yogi die Außenwelt ausschaltet und sich auf die Innenwahrnehmung einlässt, kann sie oder er sich konzentrieren, sodass der Geist zur Ruhe kommen kann. Meditation beginnt!

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„Wenn er, so wie die Schildkröte, die ihre Glieder an allen Seiten einzieht, seine Sinne von den Sinnesobjekten zurückzieht, wird seine Weisheit unerschütterlich.“

Bhagavad Gita Kapitel 2, Vers 58

Pratyahara ist eine Technik, die man während jeder Yogaübung praktizieren kann. Wenn man sich ganz auf die Eigenwahrnehmung fokussiert, dann ist man automatisch im Hier und Jetzt.  Der Vorteil für den Geist ist eine verfeinerte Meditationserfahrung.

Der körperliche Nutzen der Innenwahrnehmung ist eine Verbesserung der Koordination, des Gleichgewichts und der Stabilität. Eine verbesserte Tiefensensibilität kräftigt die Tiefenmuskulatur, steigert die Reaktionsfähigkeit und macht beweglicher. Verletzungen können schneller heilen.

Yogaübungen für eine bessere Propriozeption sind der Baum (Vrikshasana), der Bogen (Dhanurasana) und der im Hatha-Yoga praktizierte Krieger drei (Virabhadrasana 3).   

Bogenposition (Dhanurasana)
Baum (Vrikshasana)

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