Allein sein hilft gegen Stress

Seit Urzeiten bewegt die Furcht vor der Einsamkeit die Menschen aller Kulturen. Auf der anderen Seite genießen viele die Freuden des Alleinseins. Die Empfindung der Einsamkeit beinhaltet, dass man sich als ausgeschlossen, verlassen, ungeliebt und als nicht dazugehörig wahrnimmt. Einsamkeit kann in ihrer Schmerzhaftigkeit einer physischen Verletzung oder einer Krankheit ähneln. In der Geschichte der Menschheit ist die Zugehörigkeit zu anderen überlebenswichtig gewesen. Nicht ohne Grund ist die schlimmste Strafe, die Kulturen weltweit über ihre abtrünnigen Mitglieder verhängen, die Isolation von der Gruppe, etwa als Ausstoß aus dem Clan oder als Einzelhaft. Ausschlaggebend für die Diagnose Einsamkeit ist nicht die An- oder Abwesenheit anderer Menschen. Zum Beispiel muss ein Single sich nicht zwangsläufig einsam fühlen und ein Mensch kann sich trotz Partnerschaft unendlich verlassen vorkommen. Das „Einsamsein“ ist also vom „Alleinsein“ zu trennen – während die Einsamkeit mit einem unangenehmen Gefühl verbunden ist, bezieht sich das Wort „allein“ nur auf eine Zustandsbeschreibung. Im Alleinsein wiederrum kann ein Mensch sich als verbunden mit allen und allem wahrnehmen. Alleinsein kann durchaus angenehm sein, weil der Mensch seiner Natur nach nicht nur nach sozialen Kontakten und sozialer Einbindung sucht, sondern auch nach Unabhängigkeit.
Wirkliche Einsamkeit hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, wie alleine man ist.
~ Charles Bukowski

Einsamkeit
Untersuchungen haben ergeben, dass die Angst vor Einsamkeit gleich hinter der Angst vor Krankheit und der Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes steht.
Einsame sind demnach überall anzutreffen; man kann an seinem Arbeitsplatz, als Jugendlicher, in einer Partnerschaft, inmitten der Kinder und Enkelkinder, trotz Aktivitäten in sozialen Netzwerken, also kurz gesagt in Gesellschaft vereinsamen und nicht nur, wenn man ohne Kontakte und ganz allein für sich lebt. Ist ein Mensch in Gesellschaft einsam, dann weist das auf eine tiefe Unzufriedenheit mit den schon bestehenden Beziehungen hin.
Bei den meisten Menschen ist die Einsamkeit ein vorübergehender Zustand, sie schleicht sich von Zeit zu Zeit in fast jedes Leben, vielleicht, wenn man in eine andere Stadt zieht, wenn man Rentner wird, den Arbeitsplatz wechselt, wenn das Kind auszieht, auf einer Party, auf der man niemanden kennt oder wenn der Lebenspartner verstirbt. Man könnte fast behaupten, dass nach großen Veränderungen auch immer eine Phase der Einsamkeit kommt.
Bei manchen Menschen wird das Einsamsein allerdings zu einer Dauerbegleitung. Dieser Personenkreis versteinert buchstäblich und ist nicht mehr in der Lage adäquat zu kommunizieren, zu geben oder zu nehmen. Für diese Menschen kann die Einsamkeit zu einem regelrechten Gefängnis werden.

©jill111, pixabay.com

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Alleinsein
„An sich selber so viel zu haben, dass man der Gesellschaft nicht bedarf, ist schon deshalb ein großes Glück, weil fast alle unsere Leiden der Gesellschaft entspringen.“
~ Arthur Schopenhauer
Alleinsein und Einsamkeit zu unterscheiden ist äußerst wichtig, denn beides hat zunächst einmal nichts miteinander zu tun. Ob das Alleinsein als Einsamkeit empfunden wird, liegt daran, ob die Situation freiwillig gesucht oder ob sie von außen bestimmt wurde. Ein Alleinsein, für das man sich selbst aus freien Stücken entschieden hat, wird oft als sehr befreiend und wohltuend erlebt.

Befreiung aus der Einsamkeitsfalle
Man kann sich nur durch eigene Aktivitäten aus der Fallgrube Einsamkeit befreien. Wichtig ist zu schauen, in welchem Rahmen man tätig werden möchte. Der Ort, von dem aus man Kontakte aufbaut, sollte sich sicher anfühlen. Um Kontakte herzustellen, sind beispielsweise Ehrenämter geeignet, wie etwa seine Dienste im Tierheim, in der Flüchtlingshilfe oder Nachbarschaftshilfe anzubieten. Anderen etwas Gutes zu tun, wirkt gleichzeitig stärkend auf das eigene Selbstwertgefühl. Hobbys gemeinsam mit anderen zu genießen ist eine andere Möglichkeit, sich aus seinem Einsamsein zu befreien. Es ist wichtig, sich konkret auszusuchen, wem man sich nähern möchte und das auch konzentriert zu versuchen. Maßgeblich hierbei sind echtes Interesse am anderen und eine Kontaktaufnahme, die nicht gleich auf hochgeistige Themen und Ewigkeit fokussiert ist.
Einsame Menschen denken sehr negativ über sich. Sie sind zum Beispiel der Meinung, dass sie allen gleichgültig seien, dass sie nichts zu bieten hätten, dass sie niemand verstünde, dass mit ihnen etwas nicht stimmen würde oder sie nicht attraktiv seien. Negative Gedanken machen einsam.
Menschen, die sich als zugehörig wahrnehmen, nehmen sich selbst an. Sie glauben, dass sie anderen etwas geben können. Diese Menschen können ihre Schattenseiten erkennen und akzeptieren. Darüber hinaus können sie mit der Ablehnung anderer umgehen. Sie sind in der Lage, ihre Mitmenschen mit ihren Schwächen zu akzeptieren.
„Expect the best!“ ~ John Cacioppo, Einsamkeitsforscher (TED Vortrag über Einsamkeit, leider nur auf Englisch)

Die Freuden des Alleinseins
Das Praktizieren von Yoga- und Meditationstechniken lehrt dich, dein Alleinsein zu genießen. Mantren (positive Meditationswörter) schenken Kraft und stärken das Selbstwertgefühl. Das Mantra ‚Sat Nam’ zum Beispiel bedeutet übersetzt ‚wahres Selbst’ und impliziert, dass du ‚richtig’ bist und schon alles in dir trägst, was du brauchst, um ein erfülltes Leben zu leben. Behandle dich also liebevoll, gönne dir eine schöne Massage, bereite dir ein warmes Mahl oder ein wärmendes Getränk zu. Entspannungstechniken wirken entstressend und helfen, sich am All-Eins-Sein zu erfreuen.
Manchmal allerdings ist eine Therapie angeraten, um Ursachenforschung zu betreiben und sich individuelle Bewältigungsstrategien gegen die Einsamkeit zu erarbeiten.

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