Erde, Wasser und innere Ordnung bilden im menschlichen Körper eine erfahrbare Realität, die sich dort zeigt, wo Stabilität entsteht, Loslassen möglich wird und das erste Chakra seine grundlegende Aufgabe erfüllt. Das erste Chakra, Muladhara genannt (Übersetzung: „Mula“ = Wurzel, „Adhara“ = Stütze), befindet sich an der Basis der Wirbelsäule im Bereich von Steißbein, Beckenboden und Enddarm. Muladhara beschreibt einen körperlichen Zustand. Sein Symbol ist der vierblättrige Lotus, sein Krafttier ist der Elefant, seine Farbe ist Rot und sein Element ist die Erde. Die Erde steht für Dichte, Form, Beständigkeit und Halt. Ohne diese Eigenschaften ist alles darüber instabil. Das erste Chakra ist der Ort, an dem wir „hier“ sind. Man kann der eigenen Basis folgende Fragen stellen und auf die Antworten meditieren: Wie bin ich in meinem Körper angekommen? Wie trägt mich mein Körper? Wie spüre ich den Boden unter meinen Füßen?
Muladhara und das Gefühl von Sicherheit

Sicherheit ist eine physiologische Erfahrung. Sie entsteht, wenn das Nervensystem keinen Grund mehr hat, in Alarmbereitschaft zu bleiben. Ein ausgeglichenes erstes Chakra vermittelt genau dieses Gefühl: Ich bin gehalten. Ich muss mich nicht permanent zusammennehmen. Ich darf da sein.
Fehlt diese Basis, reagiert der Körper oft mit subtiler Daueranspannung. Der Atem wird flacher, der Beckenboden verspannt sich und der untere Rücken wird fest. Entspannung fühlt sich dann nicht wohltuend, sondern bedrohlich an. Der Körper hält, weil er glaubt, sich sonst zu verlieren.
Muladhara reguliert genau diese Schwelle zwischen Halten und Nachgeben. Es sorgt nicht für Bewegung, sondern für Verlässlichkeit. Erst wenn diese Verlässlichkeit spürbar ist, kann sich die Spannung lösen.
Das Rektum ist ein Ausdruck des ersten Chakras.
Der Enddarm ist der Ort, an dem der Körper entscheidet, ob etwas noch gehalten oder bereits losgelassen werden kann. Der Darminhalt erreicht den Dickdarm zunächst in flüssiger Form. Durch den gezielten Entzug von Wasser wird er verdichtet, geformt und strukturiert. Erst dann ist eine Ausscheidung möglich.
Dieser Vorgang erfordert Regulation, Timing und ein funktionierendes Zusammenspiel von Nervensystem, Muskulatur und Gewebe. Er zeigt, dass Loslassen kein passiver Vorgang ist, sondern ein aktiver, hoch koordinierter Prozess.
Energetisch entspricht dies exakt der Aufgabe des ersten Chakras. Muladhara hält nicht aus Angst fest, sondern weil es stabil ist. Und es lässt los, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
Festigkeit als Voraussetzung für Loslassen
Ein zentrales Missverständnis – sowohl körperlich als auch energetisch – ist die Annahme, dass Loslassen mit Weichheit beginnt. Tatsächlich beginnt es mit Festigkeit. Ohne innere Struktur wird Öffnung als Kontrollverlust erlebt. Der Körper reagiert dann entweder mit Rückzug oder mit unwillkürlichem Nachgeben.
Das Rektum zeigt, dass gesunde Festigkeit nicht mit Starrheit gleichzusetzen ist. Es ist flexibel, aber nicht instabil. Es hält, ohne zu verkrampfen, und gibt frei, ohne zu kollabieren. Diese Qualität ist Ausdruck eines regulierten ersten Chakras.
Übertragen auf die innere Ebene bedeutet das: Wer sich selbst nicht trägt, kann nicht wirklich loslassen. Wer keinen inneren Halt spürt, bleibt in Spannung – selbst in Momenten, die eigentlich Entlastung bringen könnten.
Die körperliche Basis von Erdung

Das Element Erde wirkt strukturierend. Es bringt Ordnung in das Ungeformte. Im Verdauungssystem zeigt sich diese Qualität sehr konkret im Übergang vom Wässrigen zum Festen. Bleibt dieser Prozess aus, bleibt alles diffus. Der Körper kann nicht abschließen.
Ein zu weicher Stuhl kann darauf hinweisen, dass es an innerer Struktur fehlt. Ein übermäßig harter Stuhl kann Ausdruck übermäßiger Kontrolle sein. Beides sind Versuche des Körpers, das Gleichgewicht wiederherzustellen, wenn es gestört ist.
Aus energetischer Sicht zeigt sich hier häufig eine Dysbalance im ersten Chakra. Die Erdung fehlt, die Sicherheit ist brüchig und das Nervensystem bleibt wachsam. Der Körper hält entweder zu fest oder gibt zu früh nach, weil er dem eigenen inneren Halt nicht traut.
Entspannung braucht Sicherheit
Tiefe Entspannung ist kein Zustand der Auflösung, sondern der Stabilität. Sie entsteht dort, wo der Körper sicher genug ist, um keine Spannung mehr aufrechterhalten zu müssen. Ein regulierter Beckenboden kann nachgeben. Ein reguliertes Rektum kann loslassen. Ein geerdetes Nervensystem kann zwischen Aktivität und Ruhe wechseln.
All dies wird durch das erste Chakra ermöglicht. Es ist die Basis, auf der Entspannung überhaupt erst möglich wird. Ohne das Muladhara-Chakra bleibt jede Form des Loslassens oberflächlich oder anstrengend.
Viele Menschen versuchen, Entspannung herzustellen, ohne zuvor Sicherheit aufzubauen. Der Körper widersetzt sich dem nicht aus Sturheit, sondern aus einem Schutzbedürfnis heraus. Erst wenn er spürt, dass er getragen wird, lässt er los.
Die Weisheit der Basis
Das erste Chakra lädt dazu tiefer in der Körperlichkeit anzukommen. Es geht nicht um Transzendenz, sondern um Verkörperung. Um die Fähigkeit, hier zu sein, ohne sich ständig zusammenzunehmen.
Das Rektum erinnert uns daran, dass Loslassen kein Verlust, sondern ein Abschluss ist. Dass Festigkeit nichts mit Härte zu tun hat, sondern mit Verlässlichkeit. Und dass echte Entlastung dort beginnt, wo der Körper sich selbst vertraut.
Schlussgedanke
Das Rektum und das erste Chakra machen deutlich, dass Erdung kein spirituelles Konzept ist, sondern eine körperliche Erfahrung. Dort, wo Halt ist, entsteht Entspannung. Dort, wo Struktur vorhanden ist, wird Loslassen möglich.

