Die fünf Lebensphasen

Der indischen Philosphie zufolge erlebt ein Mensch von seiner Geburt bis zu seinem Tod vier beziehungsweise fünf Lebensphasen (vorausgesetzt, er hat das Glück, alt zu werden): 1. Kind , 2. junge(r) Erwachsene(r), 3. Phase der Pflichten und des Familienlebens, 4. Phase des Ruhestands und der Ratgeberin/des Ratgebers, 5. Phase der Weltentsagung, des Loslassens und der Weisheit. Jede dieser Lebensphasen umfasst Stärken und herausfordernde Aspekte.

©wjgomes, pixabay.com

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1. und 2. Phase: Das Spiel mit den Möglichkeiten
Die erste und zweite Lebensphase ist eine wunderbare Zeit des Spielens und der Möglichkeiten. Während der Kindheitsphase spielt die Sexualität noch keine Rolle, in der Phase des/der jungen Erwachsenen (von der Pubertät bis zum 25. Lebensjahr) sind Menschen mehr oder weniger von ihren Sexualhormonen regiert. Diese Entwicklungsstufe im Leben ist eine Zeit höchster Kreativität und des sich Ausprobierens.
Guru Nanak (* 15. April 1469 in Talwandi, heute Nankana Sahib bei Lahore; † 1539)  beschreibt die möglichen Fallstricke des zweiten Lebensabschnittes folgendermaßen:
“Du bist übervoll mit sexuellem Begehren. Dein Intellekt weist blinde Flecken auf, du bist Gefangener deiner eigenen Kraft. In der Hitze jugendlicher Leidenschaften kannst du noch nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden, du kannst dich verirren, weil du betrunken bist von deinen sexuellen Wünschen. Du bist von deinem Ich erfüllt und kannst Laster und Tugend noch nicht auseinanderhalten.“
Während dieses Entwicklungsabschnittes kann man besonders gut lernen. Es ist die Phase höchster Intelligenz. Daher wäre es gut, von einem spirituellen Lehrer zu lernen und Selbstdisziplin zu üben. In der westlichen Welt werden Jugendkultur und Sexualität glorifiziert, dass dieser Zeitraum wichtig ist, um zu lernen, steht weniger im Vordergrund. Wenn ein Mensch während dieses Lebensabschnittes guten Lehrern, darunter vielleicht sogar einem spirituellen Lehrer, begegnet, dann kann er mit seinen Bedürfnissen und Wünschen umgehen lernen und die Kraft seiner Sexualität nutzen, um sein Bewusstsein zu stärken.

©pixabay.de

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3. Phase: Pflichten und Familie
Während dieses Lebensabschnittes legt man sich fest, beruflich sowie privat. Die Zeit der Möglichkeiten klingt aus. Nun kann man in die Tiefe gehen und zum Beispiel die Beziehung zu einem/einer Partner(in) erforschen. Es ist eine fordernden Etappe im Leben, Menschen gründen Familien und werden Eltern, im Job erhält man mehr Verantwortung. Diese Phase gehört daher zu den arbeits- und stressreichsten Stadien unseres Lebens. Während dieser Phase gehen die Menschen feste Bindungen beruflicher und privater Art ein, der Fallstrick ist hier die Abhängigkeit von der Familie und/oder dem Job.
“Haushaltsvorstände schätzen ihre Familien und vertrauen ihnen. Diejenigen aber, die mit ihrer wahren Identität verbunden sind, beiben innerlich frei. Selbst, wenn sie für eine Familie sorgen, stimmen sie sich liebevoll auf das Göttliche ein. Innerhalb ihrer Haushalte und Familien sind sie immer unabhängig. Nur wenige stimmen sich auf den inneren Guru ein und erfahren Befreiung, während sie noch mitten im Leben stehen.” -Guru Nanak (* 15. April 1469 in Talwandi, heute Nankana Sahib bei Lahore; † 1539)

©Tabeajaichhalt, pixabay.de

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4. und 5. Phase: Ratgeber und Heilige
Während der letzten beiden Lebensphasen lässt der Mensch los und kann die Welt mit seiner Gelassenheit bereichern. Das macht sie oder ihn zu einer/em guten Lehrer(in), die/der ihr/sein Wissen und ihre/seine Erfahrungen mit anderen teilen kann. Während der Zeit zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr kann eine Person zu einem spirituellen Lehrer und zu einem guten und bewussten Berater werden. Den letzten Lebensabschnitt (75. Lebensjahr bis zum Tod) kann man als Zeit der Reflektion erfahren. Während dieser besonderen Zeit kann ein Mensch das Leben von allen Seiten betrachten und sich mit zeitloser Weisheit vereinen. Er/sie kann sich mit den Generationen vor ihr/ihm und nach ihr/ihm verbinden und den Kreis zwischen Geburt und Tod bewusst schließen. Hingabe und die Fähigkeit des Hinnehmens machen die Kunst des Alterns aus.
“Aus der Verbindung von Mutter und Vater wurde unsere unendlich schöne Form erschaffen. Der warme Segen von Gottes unendlichem Licht erfüllt alles überall. Gott hat Geburt und Tod kreiert. Warum sollte jemand den Tod fürchten, wenn er die Wahrheit durch seine innere Weisheit begreifen kann? Wenn Gott einen mit tiefem Verstehen segnet, dann verlassen Schmerzen und Leid den Körper.” – Guru Nanak (* 15. April 1469 in Talwandi, heute Nankana Sahib bei Lahore; † 1539)

Guru Nanak

Guru Nanak

Guru Nanak war ein Heiliger und Mystiker, er war seiner Zeit weit voraus. Er war ein Dichter und Sänger, ein Prophet des Friedens, der Liebe und der Wahrheit.
Guru Nanak und sein treuer Gefährte Mardana wanderten tausende von Kilometern, um Menschen mittels einfacher Lieder Weisheiten nahezubringen. Seine Botschaft der universellen Akzeptanz ist heute aktueller denn je.

Dieser Artikel wurde durch einen Beitrag von Guruka Singh inspiriert.

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