Sei du selbst

Ich las spaßeshalber einmal aus der Hand eines Yogaschülers und gleich wollten 20 Leute, dass ich ihnen aus der Hand lese. Ihr alle wollt eure Zukunft wissen, aber ihr schert euch nicht um eure Gegenwart. Ist es nicht erstaunlich, dass wir uns zivilisiert nennen und umgeben sind von Kirchen, religiösen Lehrern, Yogis, Swamis, Predigern, Ratgebern, allesamt hochangesehen und dennoch sind wir mental alleine.

Es gibt Bücher, Bibliotheken und Zeitungen, aber du fühlst dich unglücklich und einsam. Du hast nicht gelernt, dass Einsamkeit eine Kraft ist. Du hast keine Übung darin, also wirst du täglich schroffer und schroffer, härter und härter. Dir ist niemals gezeigt worden, wie du „du selbst“ sein kannst. Du bist darin unterrichtet worden, wie aus dir „jemand“ wird.
Wir sind all die Jahre falsch unterrichtet worden. Wir wurden nie in der Fertigkeit unterwiesen, wie wir friedlich sein und unseren Seelenfrieden erhalten können, gerade dann, wenn alles um uns herum im Chaos versinkt. Unser Sein ist weder ruhig noch friedvoll.

© skeeze, pixabay.cpm

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Du hast eine sehr kraftvolle, magnetische Psyche. Du kannst die Dinge einfach anziehen, du kannst die Dinge bekommen, aber du hast keine Übung darin, dieses auch zu tun. Stattdessen schwitzt du und streitest du und verfolgst die Dinge. Ist das ein Leben? Hetzen und den Dingen nachjagen? Dein eigener Hund würde so nicht leben wollen. Ihr habt Gott und dennoch benehmt ihr euch wie Bettler und Gauner und begehrt alles: “Bitte, kann ich, darf ich, soll ich, würdest du mich bitte lieben? Würdest du mich bitte mögen.“
Was für eine Art Leben ist das?
Wohin ich auch reise, überall sehe ich dieses weitverbreitete Leiden, diese Krankheit. Wir leiden, weil wir uns nicht selbst vertrauen. Es ist so einfach. Das Selbstvertrauen fehlt. Wir schauen in den Spiegel. Wir wollen gut aussehen und Reden schwingen. Wir wollen einander überzeugen. Kennen wir einander nicht?

Es ist sehr wichtig, dass du einfach du selbst bist, selbst wenn du vielleicht krank, hungrig oder müde sein solltest – sei einfach du. Einfach so. Das ist sehr wichtig. Denke mal darüber nach, wenn du nicht du bist, wie jämmerlich die Lage dann ist.
Die Zeit ist gekommen, dass du zu deinem eigenen Meister wirst. Höre auf Meister zu jagen. Werde zu deiner eigenen Wirklichkeit und höre damit auf, den Religionen nachzulaufen. Höre damit auf, Gott zu verfolgen, sei du selbst. Werde zu deinem eigenen Gott. Am Anfang, in der Mitte und am Ende bist du es und du allein. Führe also ein gutes Leben, verbunden mit deinem inneren Frieden und deiner inneren Stärke. Und wenn du dich einmal schwach fühlen solltest, dann rufe deine Seele an, deine Freundin.

Um damit anzufangen, setze sich und atme einen Atemzug pro Minuten. * In genau 30 Sekunden wird deine Seele beginnen mit dir zu kommunizieren. Innerhalb von drei Minuten kannst du deine Laune ändern. Warum leidest du dann noch?
Ein Mensch atmet im Durchschnitt 15 Mal in der Minute. Stell dir vor, du hättest eine Lebenszeit von 100 Jahren. Wenn du nur einmal in der Minute atmen würdest, dann könntest du, yogischen Berechnungen nach, 1500 Jahre lang leben, denn eine Lebensspanne bemisst sich nach Atemzügen, nicht nach Jahren oder Kalenden. [1]

Wenn du nicht im Gleichgewicht bist, dann wird dein Atem flach und schnell und du atmest
durchschnittlich 20 – 25 Mal in einer Minute. Wenn du bei guter Gesundheit bist, dann atmest 10 – 12 Mal in der Minute und wenn du in einem sehr guten mentalen Zustand bist, dann atmest du 5 – 7 Mal in der Minute. Aber wenn du den ‚Eine – Minute – Atem’ für 11 Minuten täglich praktizierst, dann kontrollierst du deinen Geist.

Die Zeit ist gekommen. Du darfst „du selbst“ sein – ein schöner, großzügiger, glücklicher Mensch. Niemand kann dich kreieren. Gott schuf dich nach seinem Bilde. Kreiere nicht deine eigenen Bilder. Habe nur das eine Bild von dir als ‚du selbst’, in dem du ein Wesen Gottes bist. Das ist sehr menschlich und darum geht es im Wassermannzeitalter, im „Neuen Zeitalter.“ Es wird das Zeitalter der Menschen und des Friedens, der Liebe und des Dienens sein. Wir werden als eine Familie leben und die Kriege werden enden. Das Menschliche wird sich wieder durchsetzen. So wie die Berliner Mauer gefallen ist, werden auch andere Mauern fallen. Wir werden alle vereint unter einem Gott, einem Geist, einem Selbst sein.
Auszüge aus einem Vortrag von Yogi Bhajan (Berlin, den 10. Mai 1995)
© The Teachings of Yogi Bhajan (übersetzt von Sat Hari Kaur)

*Stimme dich mit Ong Namo, Guru Dev Namo ein. Sitze mit gerader Wirbelsäule. Atme tief für 20 Sekunden ein, halte den Atem für 20 Sekunden an, atme 20 Sekunden lang aus. Du kannst mit 10 Sekunden beginnen und die Atmung trainieren.

[1] Den yogischen Lehren nach wird jedem Menschen eine individuelle Anzahl von Atemzügen zugeteilt und wenn diese aufgebraucht sind, dann verlässt der jeweilige Mensch seinen Körper.

 

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