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Faszien und Kundalini Yoga

Die Faszien umgeben wie eine weißliche, fast durchsichtige Haut alle Muskeln, die einzelnen Muskelfasern, die Knochen genauso wie die Organe, Gefäße und Nerven sowie das Gehirn und das Rückenmark. Faszien bilden darüber hinaus Bänder, Sehnen und Gelenkkapseln. Faszien stehen durch das sogenannte Fasziennetzwerk körperweit miteinander in Verbindung. Genau wie unsere Haut ist das Fasziennetzwerk in der Lage Temperaturunterschiede wahrzunehmen und auf Druck zu reagieren. Außerdem können die Faszien Veränderungen der Körperbewegungen bemerken und die Stellung des Körpers im Raum aufnehmen. Sie sind sehr schmerzempfindlich. Fas­zi­en haben die Aufgabe, un­se­rem Kör­per Halt zu geben, ge­schmei­di­ge Be­we­gun­gsabläufe zu ermöglichen und im Be­darfs­fall eine sanf­te Ver­schie­bung der Or­ga­ne zu gestatten.

Faszien und Rückenschmerzen
Wenn Faszien überlastet, verklebt oder gar verletzt sind, dann ist das auf einem Röntgenbild nicht zu erkennen. Dem Faszienforscher Dr. Robert Schleip nach sollen verklebte und verkrampfte Faszien eine der Hauptursachen für Rückenschmerzen sein! Bislang lassen sich nur 20 Prozent der Rückenschmerzen auf eindeutige Ursachen wie zum Beispiel auf Bandscheibenvorfälle, Wirbelabnutzungen oder Gleitwirbel zurückführen.

Faszienaufbau
Der Begriff ” Faszie” stammt aus dem Lateinischen und bedeutet “Band” oder “Bündel“. Faszien müssen stabil, gleitfähig und elastisch zugleich sein. Daher besteht ihr Gewebe aus Kollagen, Wasser und aus verschiedenen ‚Klebstoffen’ (Eiweiß, Zucker). Sie sind zwischen einem halben und drei Millimeter dick. Faszien verbinden und umhüllen sämtliche Teile des Körpers und fixieren diese.

Quelle: Wikimedia Common

Quelle: Wikimedia Common

Gesunde Faszien sind häufig wie ein sogenanntes Scherengitter angeordnet (siehe linkes Bild). Dieser besondere Aufbau der Faszien sorgt für die Beweglichkeit unserer Muskeln und Sehnen. Die Faszien benötigen regelmäßige Bewegung, um gesund zu bleiben und nicht zu verkleben. Auf dem rechten Bild kann man eine Faszienstruktur bei Bewegungsmangel betrachten: die Fasern sind verklebt und verfilzt, sie können sich nicht mehr dehnen und verlieren ihre Elastizität. Muskeln, Gelenke und Knochen sind nun vor Verletzungen und den Folgen einer Fehlbelastung weniger geschützt. Allerdings kann auch ein Übermaß an Bewegung bewirken, dass die Faszien verkleben und ihre Gleitfähigkeit eingeschränkt ist. Obendrein reagieren die Nervenzellen auf verklebte Faszien: Sie melden Schmerzen.

Die Faszien als Wasserspeicher
Die Faszien speichern eine Viertel des Körperwassers, sie können damit Organe und Zellen versorgen und enthalten Lymph- und Abwehrzellen.
Mit zunehmendem Alter nimmt allerdings der Wasseranteil im Bindegewebe ab und die Fasern können verfilzen. Dieser Prozess wird durch Bewegungsmangel beschleunigt.

Yoga – Tipps für die Fasziengesundheit

bottle-3017833_640Wassertrinken
Das Trinken von frischem Wasser regt nicht nur die Durchblutung des Gehirns an, macht frisch und klar, unterstützt die Reinigungsprozesse des Körpers und stärkt den Kreislauf, sondern versorgt auch unser Bindegewebe mit Flüssigkeit und hält die Faszien gesund und elastisch.

Kundalini Yoga für geschmeidige Faszien
Kundalini Yoga hat den Vorteil, dass man während des Übens nicht so sehr in den einzelnen Asanas verharrt, sondern mehr in Bewegung ist. Das lieben die Faszien! Die langen Faszienbahnen werden durch wandelbare Bewegungsmuster besonders gut gedehnt und versorgt. Yogasets, in denen unterschiedliche Yogahaltungen vorkommen, in denen Positionswechsel vorhanden sind, in denen sowohl dehnende Asanas als auch Übungen zu finden sind, die in Bewegung praktiziert werden, eigenen sich zur Faszienstärkung. Wichtig ist eine ‚weiche’ und achtsame Praxis. Strebe keine ‚Idealform’ an, sondern achte bewusst auf deinen Körper.

food-3070613_640Faszien und Ernährung
Damit Faszien ihr vielfältigen Aufgaben gut erfüllen können, ist eine gute Ernährungsweise wichtig. Faszien benötigen langkettige Kohlehydrate, die zum Aufbau ihrer Grundsubstanz wichtig sind. Damit sind mitnichten Weißbrot oder Süßes gemeint (kurzkettige Kohlenhydrate), sondern zum Beispiel Haferflocken, Reis, Vollkornbrot, Kartoffeln (auch Süßkartoffeln) oder Vollkorngetreide und einige Obstsorten.

Gesunde Fette fördern die Struktur der Faszien. Die nervenstärkenden Omega 3 Fettsäuren findet man in Leinöl, Walnussöl und Rapsöl. Auch Olivenöl, Nüsse und Avocado stärken unsere Faszien.

Faszien besitzen einige Charakteristika, sie sind u.a. extrem reißfest und äußerst elastisch. Kollagen und Elastin sind Struktureiweiße, die den Faszien zu diesen besonderen Eigenschaften verhelfen. Außerdem benötigen das Gewebe Eiweiße für sein Wachstum, seine Regeneration und Heilung. Wenn man auf tierische Eiweiße verzichten möchte, dann versorgt man sich am besten mit Hülsenfrüchten wie Linsen, Bohnen, Soja, Lupinen oder Erbsen. Auch Nüsse (zum Beispiel Mandelmus) enthalten Eiweiß.  Sesam wird vor allem zur Ölgewinnung angebaut, enthält aber 17,7 Gramm Eiweiß. Urgetreidesorten wie Quinoa oder Amaranth sind hochwertige Proteineliferanten und sorgen für starke und gesunde Faszien.

hand-2307815_640Meditation und Faszien
Faszien sind das größte Sinnesorgan des Menschen, in der Fläche sogar größer als die Haut. Und sie bilden in ihrer Gesamtheit das entscheidende Organ für die Körperwahrnehmung. Die Funktionen der Faszien sind vom vegetativen Nervensystem gesteuert.

Wirken zum Beispiel äußere Reize auf unseren Organismus, werden diese über die Nervenendigungen in den Faszien weitergleitet und der Sympathikus setzt Botenstoffe frei, die zu einer Mobilisierung von Energiereserven und einer erhöhten Leistungsbereitschaft führen. Bei Dauerstress und einem zu geringen Gegenspiel des parasympathischen Teil des Vegetativums kann es sein, dass ein Teil der Faszien in einen „Fight-or-flight“ – Zustand geraten. Verspannungen, Verklebungen und letztendlich Schmerzen sind die direkte Folge.

Meditare bedeutet übersetzt nachsinnen; das Meditieren hilft dem Körper und dem Geist sich zu beruhigen. Mit Hilfe von Meditationen kann man lernen, Stressbilder und Gedankenspiralen loszulassen, indem man die Aufmerksamkeit auf etwas Neutrales lenkt. Das kann der Atem sein, ein Mantra oder eine Bewegung. Im Kundalini Yoga finden wir eine Vielzahl an unterschiedlichen Meditationen, die letztendlich alle eine positive Wirkung auf das vegetative Nervensystem haben und für seine Ausgeglichenheit sorgen. Somit wirken Meditationen und der beruhigende lange, tiefe Atem auch auf das Fasziengewebe ein und sorgen für seine Entspannung.

Buchtipps
Robert Schleip, Johanna Bayer: Faszien-Fitness. Vital, elastisch, dynamisch in Alltag und Sport. Paperback, 224 Seiten. 3. Auflage Riva-Verlag 2015. ISBN 978-3-86883-483-3. 19,99 Euro.
Peter Schwind: Faszien – Gewebe des Lebens. Das geheimnisvolle Netzwerk des Körpers und seine Bedeutung für unsere Gesundheit. Gebunden mit Schutzumschlag, 240 Seiten, circa 20 farbige Fotos und Abbildungen. Irisiana 2014. ISBN: 978-3-424-15259-3. 19,99 Euro.

Audiotipp
Deutschlandfunk Kultur

Zum Weiterschauen
bis zum 26. Februar 2018 bei Arte TV

Ein Gedanke zu „Faszien und Kundalini Yoga

  1. Dagmar Völpel

    … und außerdem enden in den Faszien Energiebahnen (Meridiane), die z.B. in der Akupunktur angesprochen werden. Damit ist möglicherweise das Fasziennetz der Träger unseres feinstofflichen Energiesystems und wird über Kundalini Yoga direkt angesprochen.

    Antworten

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