Vertrauen

Vertrauensmissbrauch – Wege aus der Enttäuschung
Und dann begriff ich,
dass die spirituelle Reise nichts damit
zu tun hatte, nett zu sein.
Es ging darum, echt und authentisch zu sein.
Grenzen zu haben. Zuallererst meinen
Raum zu ehren und an zweiter Stelle den
Raum anderer. Und in diesem Raum der
Selbstfürsorge geschah „nett sein“ von allein,
es floss einfach, nicht durch Angst motiviert,
sondern durch Liebe.
(Autor unbekannt)

Was ist Vertrauen
Vertrauen in andere Menschen hält unsere gesamte Gesellschaft im Inneren zusammen. Würdest du nicht zu der Annahme fähig sein, dass dir dein Gegenüber grundsätzlich wohlgesonnen ist, wäre für dich die Liebe genauso unmöglich wie jede andere Beziehung. Im Umgang mit deinen Mitmenschen, mit deinen Familienmitgliedern, Nachbarn, Freunden, Lehrern und so weiter, findet Vertrauen statt. Auch die Mechanismen in Politik und Wirtschaft beruhen zu einem großen Teil auf Vertrauen. Vertrauen kann bitter enttäuscht werden.

Der Duden erklärt das Phänomen „Vertrauen“ als festes Überzeugtsein von der Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit einer Person beziehungsweise Sache. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass andere ihnen gegenüber grundsätzlich wohlmeinend sind. „Ohne jegliches Vertrauen aber könnte [der Mensch] morgens sein Bett nicht verlassen. Unbestimmte Angst, lähmendes Entsetzen befielen ihn.“ ~ Niklas Luhmann, 1989

Vertrauen und der „negative Mind“
Wenn man Abmachungen trifft, dann nimmt man in unserer Gesellschaft an, dass diese Vereinbarungen auch eingehalten werden. Ohne das Vertrauen, dass Übereinkommen Gültigkeit haben, würde ein Mensch andauernd vorsichtig sein und um die Berücksichtigung seiner Interessen kämpfen müssen. Außerdem gehen wir Menschen davon aus, dass eine Nicht-Einhaltung von Übereinkünften angemessen sanktioniert wird. Die Rolle des sogenannten „negativen Minds“ ist es, uns zu schützen. Dieser Teil des Seins reagiert erst einmal negativ auf alles, was er neu kennenlernt. Er kalkuliert die Risiken und bewahrt uns davor, in irgendwelche Fallen zu tappen. Es ist also wichtig, den negativen Anteil des Geistes zu stärken, damit man nicht jeden Köder schluckt und ein sicheres Leben führen kann.

Vertrauen und der „positive Mind“
Jedes Kind kommt mit einem angeborenen Potential an Urvertrauen und vielleicht auch mit einer Urangst auf die Welt, weil es natürlich eine Ahnung davon hat, wie ausgeliefert es ist. Doch bei dem kleinen Kind überwiegt der „positive Mind“ erst einmal. Es glaubt alles, es kann sich jemandem hingeben, es ist ganz offen, es verzeiht und findet schnell wieder eine Vertrauensebene mit seinem Gegenüber. Wichtig ist, dass das natürliche Potential an Urvertrauen gepflegt und gestärkt wird. Dann kann das Kind mit einem tiefen Gefühl der Sicherheit und des Wissens um die Liebe ins Leben gehen. Wenn das Urvertrauen und der positive Mind stark sind, dann kann ein Mensch während späterer Lebenskrisen eher den Silberstreif am Horizont sehen und mit Verlusten und Kränkungen umgehen. Solch einem Mensch fällt es leichter, dem Leben und seinen Herausforderungen immer wieder einen Sinn zu geben.

Vertrauen und der „neutrale Mind“
Jeder Mensch muss eine Balance im Konflikt zwischen Urvertrauen („positive Mind“) und Urmisstrauen („negative Mind“) finden. Es ist wichtig, dass ein Mensch eine positive Grundeinstellung zu sich selbst, zu anderen Menschen und zur Welt finden kann und pflegt. Gleichzeitig muss er Misstrauen und ein eigenes Ichempfinden entwickeln dürfen, also sich abgrenzen lernen und mit Frustration und Trauer umgehen können. Nun kommt der sogenannte neutrale Mind ins Spiel. Dieser Anteil unseres Geistes nimmt Informationen von dem negativen und dem positiven Teil auf und trifft Entscheidungen. Das Für und Wider wird abgewogen. Wenn dieser Anteil deiner Intelligenz gut ausgebildet ist, dann fühlst du dich nicht von vornherein zum Positiven oder zum Negativen hingezogen, dein Geist kann, wie ein gerechter Richter, dissoziiert urteilen. Der neutrale Teil deines Geistes findet intuitiv den Weg der Mitte und den Weg des Herzens.

Vertrauensbrüche
Menschen, deren Vertrauen schon einmal enttäuscht wurde, kennen das qualvolle Gefühl tiefer Desillusionierung, das zurückbleiben kann. Ob ein Mensch vom Lebenspartner, von einem Freund, von einem Familienmitglied oder einem Lehrer enttäuscht wurde – ein Vertrauensmissbrauch wird wie ein Betrug wahrgenommen.

Die Folgen eines Vertrauensmissbrauchs können je nach wahrgenommener Schwere für den Betroffenen ähnliche Dimensionen annehmen, wie die Gefühle, die nach einem Überfall oder einer Vergewaltigung entstehen. Es werden neben Wut und Enttäuschung auch Empfindungen von Scham und Selbstzweifel hervorgerufen. Manche Menschen leiden für den Rest ihres Lebens unter den Folgen eines Vertrauensbruchs.

Den Bruch heilen
Wem und ob ein Mensch vertraut oder misstraut, das ist eine innerer Prozess. Man kann niemanden zwingen zu vertrauen.
Bei manchen Menschen wächst nach einer Enttäuschung die Fähigkeit zu vertrauen erst langsam wieder. Immer, wenn wir uns einem Menschen etc. öffnen, gehen wir auch das Risiko ein, betrogen, verletzt oder abgelehnt zu werden. Niemand kann uns eine Garantie dafür geben, dass das nicht geschehen wird.
Daher sagt der Dalai Lama wohl auch, dass große Liebe und große Ziele große Risiken in sich bergen.

Der Weg aus der Enttäuschung: Dos
Einige Menschen empfinden es als stärkend, unter Leute zu gehen. Anderen Betroffenen helfen Aktivitäten wie ein Ehrenamt, eine Reise eine Selbsthilfegruppe etc. .
Wieder andere Personen heilen sich mit einer Zeit der Isolation.
Wichtig ist die Selbstreflexion: Was ist geschehen und was kannst du tun, um dich innerlich zu stärken und weniger verletzbar zu sein?
Aufbauen von Selbstvertrauen.
Sei vorsichtig, aber gib anderen eine Chance.

Der Weg aus der Enttäuschung: Don’ts
Betreibe keine Selbstzerfleischung (zum Beispiel durch übertriebene Selbstvorwürfe).
Keine Selbstbestrafung (z. Bsp. mit Einsamkeit).
Nicht vergleichen.
Nicht generalisieren.

So paradox es klingt: Letztendlich ist Vertrauen wichtig, um mit Enttäuschungen umgehen zu können. Mahatma Gandhi sagte einmal: Misstrauen ist ein Zeichen von Schwäche. Ganz oft denken Menschen ja andersherum, dass Vertrauen ein Zeichen von Schwäche ist, denn man macht sich angreifbar.

Wenn Vertrauen und Mut zusammen kommen, dann nennen wir das Überzeugung. Wenn Überzeugung und Gnade zusammen kommen, dann ist das Glauben. Wir müssen unsere Göttlichkeit, unsere Integrität, unseren Mut, unsere Überzeugung und unser Vertrauen in solch einem Ausmaß entwickeln, dass diese Werte durch nichts zu erschüttern sind. Die mutigste Handlung ist zu vertrauen. Demütig sind diejenigen, die an Gottes Energie glauben, ihr vertrauen und sie fließen lassen. – Yogi Bhajan

Vertrauen ist der nächste Schritt in dem Prozess der Veränderung und ohne Vertrauen kann keine Transformation geschehen. Vertraue, indem du ernst nimmst, was du wahrnimmst, indem du dich nicht drängen lässt, sondern deiner inneren Wahrheit folgst und so die volle Verantwortung für dein Glück übernimmst. Deine Kraft kehrt zu dir zurück.

MED-000036-1Meditation für Brosa (Sanskrit für Vertrauen, Überzeugung, Glauben)

Mantra:
Wahe Guru

Haltung:
Du sitzt in der einfachen Haltung oder vielleicht auch auf einem Stuhl oder Hocker. Wichtig ist, dass deine Wirbelsäule aufgerichtet ist.

Augen:
Geschlossen.

Mudra:
Du hebst die Arme mit gebeugten Ellenbogen in einem Bogen über deinen Kopf. Wenn du ein Mann bist, dann legst du die rechte Hand auf die linke Hand. Bist du eine Frau, dann legst du die linke Hand auf die rechte. Die Hände weisen nach unten. Die Daumenkuppen sind gegeneinander gelegt.

Wie du das Mantra chantest:
Du formst die Worte sehr präzise mit den Lippen und mit der Zunge. Flüstere, so dass „Guru“ kaum zu hören ist. Ein Atemzug pro Mantrawiederholung.

Zeit:
11 Minuten

Die “Meditation für Brosa” beeinflusst das Element des Vertrauens in der Persönlichkeitsstruktur eines Menschen. Vertrauen ist die Basis von Glauben, Commitment und der Wahrnehmung der Wirklichkeit. Die Meditation schenkt dir eine Erhebung deines Geistes, so dass du Herausforderungen annehmen kannst. Sie baut deine Aura auf und gibt ihr Gleichgewicht. Das geschieht von der Ebene des vierten Chakras her. Praktiziere die Meditation höchstens für 11 Minuten täglich während der ersten ein bis zwei Wochen, dann kannst du die Meditationsdauer alle fünfzehn Tage um eine Minute verlängern, bis du insgesamt für 31 Minuten meditierst.
© The Teachings of Yogi Bhajan
Quelle für die Meditation: Spirit Voyage

4 Gedanken zu „Vertrauen

  1. Amrit Kaur

    SAT NAM Ihr Lieben, danke für das Veröffentlichen der Meditation für Brosa auf Deutsch. Ich hatte sie mir gerade in der neuen Englischen Ausgabe des Sadhana Handbuchs angeschaut und dort eine andere Augenposition beschrieben gefunden. („Keep the eyelids open slightly and look down toward the upper lip.“) Ich habe leider meine (alte) Deutsche Ausgabe des Sadhana Handbuchs nicht zur Hand, so dass ich nicht vergleichen kann. Allerdings ist die neue Ausgabe des Sadhana Handbuchs aus meiner Sicht eine sehr verlässliche Quelle. (KRI). Vielleicht recherchiert Ihr nochmal, ob es wirklich zwei Versionen der Meditation gibt. Liebe Grüße, SAT NAM Amrit Kaur

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    1. Amrit Kaur

      Die Atmung wird hingegen in der Englischen Ausgabe nicht beschrieben, aber der Rhythmus (2 1/2 Sekunden pro Mantra). Dieser schnelle Rhythmus spricht vielleicht auch eher dagegen, das Mantra nur einmal pro Atemzug zu Chanten. Liebe Grüße, SAT NAM Amrit Kaur

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  2. Siri kamal kaur

    Ein wunderbarer Artikel, knapp und das Wesentliche benennend.
    Danke!
    Siri Kamal Kaur, Hamburg

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