Haben Tiere eine Seele?

Yogi-mit-KatzeMit allen Kreaturen bin ich in schönster Seelenharmonie. Wir sind verwandt, ich fühle es innig und eben darum liebe ich sie.“ – Wilhelm Busch.

Als Yogi Bhajan noch lebte, besuchte ich das 3HO Ladies Camp in Neu Mexiko. Yogi Bhajan unterrichtete jeden Abend vor ungefähr dreihundert Frauen. Ein paar Straßenhunde versammelten sich allabendlich mit uns. Sie hofften auf etwas Futter. Eine dreibeinige Hündin mit einem völlig verschmutzten, schwarzen Lockenfell, das nun grau vor Staub war, erwies sich als besonders hartnäckige Besucherin dieser Kurse. Jeden Abend saß sie aufrecht in Yogijis Nähe und starrte ihn an. Niemand verjagte sie. Auch Yogiji nicht. Es kümmerte sich aber auch niemand um diese Hündin. Doch eines Abends zeigte Yogiji auf eine der dort anwesenden Frauen und brüllte: „You!“ Dann zeigte er auf die Hündin: „Make her beautiful.“ Am darauffolgenden Abend saß die dreibeinige Hündin wieder an ihrem Stammplatz. Ihr Fell war gewaschen und gebürstet und glänzte schwarz. Zur Feier des Tages hatte man ihr eine rote Schleife umgebunden. Yogiji lobte die Treue und das gute Wesen der Hündin. Er befahl der Frau, die die Hündin geputzt und gekämmt hatte: „Take her home.“ So bekam die Hündin ein Zuhause. Ein paar Jahre später traf ich diese Frau wieder. Ich fragte sie nach der Hündin. Diese lebte immer noch. Die Frau sagte, dass diese Hündin eine Seele von Hund sei. Sie wäre dankbar für die Begegnung mit der Hündin: „She is such a great soul.“

Ist es so? Haben auch die Tiere eine Seele? Ich würde das jederzeit bejahen. Andere bezweifeln das. So habe ich einige Nachforschungen angestellt.

Was ist eine Seele?
Der Duden beschreibt den Begriff „Seele“ als die „Gesamtheit dessen, was das Fühlen, Empfinden und Denken eines Menschen ausmacht; Psyche“ und als „substanz-, körperloser Teil des Menschen, der nach religiösem Glauben unsterblich ist, nach dem Tode weiterlebt.“ Die Kirche nimmt an, dass die Seele zugleich mit seinem Körper erschaffen wird. Die Seele ist der Geist Gottes. Für die Lehren des Yoga ist die Seele das reine Bewusstsein, das Unveränderliche, Unsterbliche und das ewig Göttliche.

Wer oder was beseelt?
Zur Zeit scheint ein Konsens darüber zu bestehen, dass alle Menschen eine Seele haben. Das war aber nicht immer so. Des Öfteren haben Menschen ihre Mitmenschen als Seelenlose bezeichnet, wenn sie diese zum Beispiel als Ware benutzen wollten. Eine Sache darf man benutzen. Afrikaner etwa arbeiteten sehr gut in den portugiesischen Kolonien, sie kamen mit dem Klima zurecht und waren billig zu erwerben. Katholische Priester sprachen ihnen eine unsterbliche Seele ab. So wurden bis zur Abschaffung des Sklavenhandels um 1850 drei- bis fünf Millionen Afrikaner nach Brasilien verschleppt.

Auch Frauen wurde die Seele abgesprochen. Frauen wurden von der katholischen Kirche jahrhundertelang als eine Art missglückter Mann gesehen und dürfen dort bis heute kein Priesteramt bekleiden: »Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, dass die Frauen den Männern dienen.« (Augustinus, 354-430, bedeutender Kirchenlehrer).

Nach Plato (427 – 347 v. Chr.) sind Frauen das Ergebnis der Degeneration eines Menschengeschlechts: „Nur Männer sind direkt von den Göttern geschaffen und haben eine Seele. Die Gerechten kehren zu den Sternen zurück, aber von den Feiglingen und Ungerechten kann mit Recht angenommen werden, dass sie in der zweiten Generation in die weibliche Natur übergehen.“

Zum Glück befinden wir uns hier auf dem (zugegebenermaßen noch recht übersehbaren) Weg einer Neubesinnung. Das Frauenwahlrecht in der Schweiz wurde 1971 eingeführt, in Deutschland ist die Vergewaltigung in der Ehe erst seit 1997 Strafbestand. Das Echo und der Erfolg des Hollywoodfilms 12 Years A Slave zeigt an, wie emotional behaftet das Thema Sklaverei heute noch ist.

Was ist mit den Tieren?
Für einige der Ureinwohner Nordamerikas waren die Tiere sogar noch vollkommener als der Mensch: Während ein Mensch um sich ernähren und kleiden zu können, mühsam jagen und sammeln musste, erlangten die Tiere ihre Nahrung offenbar ohne große Anstrengung und brauchten weder Kleider noch Waffen.

In Indien glauben die Menschen, dass letztendlich alles Organische beseelt ist. Ein Sprichwort besagt: „Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen.“

In europäisch geprägten Kulturen hingegen nimmt man an, dass Tiere keine Seele haben. Das ist vielleicht dem Denker und Philosophen René Descartes (1596 – 1650) anzulasten, der als Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus gilt. Er sagte: „Tiere kennen keinerlei “émotions de l´ame”, keinerlei Gefühle der Seele. Sie haben gar keine Seele und folglich auch keine seelischen Regungen. Sie haben kein Bewusstsein, keine Gedanken, keine Gefühle.“ Descartes folgerte daraus, dass ein Tier eher einem Ding gleiche: „Ihre Schmerzensschreie bedeuten nicht mehr als das Quietschen eines Rades!“

Ein Yogaschüler erzählt:
Vegetarier bin ich in dem Moment geworden, als ich sogenannte Nutztiere nicht mehr als ‚Sache, die dem Verzehr dient‘ sehen konnte. Ich verbrachte die Ostertage auf der Insel Kreta. Vor Ostern werden dort traditionell die Lämmer geschlachtet. Die Kleinen waren an Zäune gebunden und schrien jämmerlich nach ihrer Mutter und vielleicht auch aus Todesangst. Da wusste ich, dass Tiere eine Seele haben wie ich. Ihr Fleisch wächst nicht auf Bäumen, dass man dann vakuumverpackt im Supermarkt erwerben kann. Es sind Lebewesen mit einer Seele. Von dem Tage an habe ich kein Gramm Fleisch mehr gegessen.“

Resümee
„Der erkennt Gott recht, der ihn in allen Dingen gleicherweise erkennt.“ ~Meister Eckhart (1260 – 1328).

Die Seele ist nach den Lehren des Yoga das reine Bewusstsein, das Unveränderliche und das ewig Göttliche. Die Seele ist nicht an eine Person, ein Geschlecht, eine Rasse oder Art gebunden. Das ewig Göttliche ist überall. Die Aussage „der Seele gehorchen“ beinhaltet, dass ich dem Göttlichen in seiner Allgegenwart aufwarte.

Auf diese Weise erkenne ich, dass ein Tier so beseelt ist wie ich. Veganer setzen diesen Gedanken konsequent in die Tat um. Sie benutzen keine tierischen Produkte mehr. Ich bin Vegetarierin. Ich nehme Milchprodukte zu mir. Ich wünsche mir, dass die Tiere, von denen die Nahrungsmittel stammen, ein artgerechtes Leben führen dürfen. Es gibt auch Fleischesser, die Tiere respektieren. Sie sind bereit, mehr zu zahlen, um Fleisch von Tieren zu erhalten, deren Haltung der jeweiligen Tierart genügt. Wofür du dich entscheidest, so wünsche ich dir, dass du mehr und mehr auf die Stimme deines Herzens und deiner Seele hören kannst, die da sagt: „Erkenne, der andere bist du.“ (1. Sutra des Wassermannzeitalters).

Gedicht von Yogi Bhajan

„Du kannst von einem Baum lernen, wie du aufrecht stehen bleiben kannst, sogar dann, wenn du in Ekstase gerätst.
Du kannst von einem Bach lernen, wie man unentwegt voller Schönheit fließen kann.
Du kannst von einem Fluss lernen, wie du majestätisch dahinströmen kannst.
Du kannst von dem Wind lernen, wie Bescheidene mächtig werden können.
Du kannst von der Brise lernen, wie die Mächtigen herrlich, segensreich und liebevoll werden können.
Du kannst Sauberkeit von der Katze lernen.
Du kannst Treue von dem Hund lernen.
Du kannst von dem Fisch lernen, wie man einen Ozean durchqueren kann kann.
Du kannst von dem Vogel lernen derartig hoch zu fliegen.
Du kannst von dem heiligen Namen Gottes die Wirklichkeit kennenlernen. Tiefes Gottvertrauen lehrt dich Würde.
Du kannst den inneren Frieden von der stetig scheinenden Sonne lernen. “

Hier der Link zu einer Meditation, die dich dabei unterstützt, die Kraft Deiner Seele wahrzunehmen. Wenn Du eine Verbindung zu Deinem innersten Selbst aufgebaut hast, dann kannst Du wahrnehmen, dass alles um Dich so beseelt ist wie Du
(Meditation, um die unendliche, innere Kraft zu finden).

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.