Erfahrungen einen Sinn geben

„Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.“ ~ Epiktet
In jedem Augenblick treffen unendlich viele Informationen aus der Umwelt auf unsere Sinne. Das Gehirn filtert diese Informationen per Unterbewusstsein und füttert anschließend das Bewusstsein mit (überschaubaren) Informationseinheiten, die im Moment für das Leben und Überleben wichtig erscheinen.
Während du diesen Text liest, kannst du dir über die Temperatur deines Atems bewusst werden, wenn er die Nase verlässt, das Gefühl der Kleidung auf deiner Haut, die Geräusche, die du jetzt hören kannst. All diese Geschehen sind schon da gewesen, bevor du sie deutlich gespürt, gehört und gesehen hast, sie waren nur nicht in deinem Bewusstsein.
Bewusstsein ist also ein enormer Auswahl-Prozess, bei dem einzelne Aspekte erkannt, andere ausgeblendet, geändert oder verallgemeinert werden. Sogenannte Wahrnehmungsfilter dienen der Erhaltung der Welt (unseres Modells der Welt), in der wir leben.

©Allan Ajifo, flickr.com

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Welche Filter nutzt unser Gehirn, damit nur die Informationen, die relevant erscheinen, unser Bewusstsein erreichen?  
Biologische Filter: Wir hören, sehen und fühlen lediglich das, was auf unserer menschlichen Frequenz wahrzunehmen ist (das menschliche Ohr nimmt Schallfrequenzen nur in einem Bereich von ca. 20 Hertz bist 20.000 Hertz wahr. Töne darüber oder darunter, also zum Beispiel Ultraschall, sind für unser menschliches Gehör nicht wahrnehmbar. Fledermäuse sind ein bekanntes Beispiel für eine Tierart, die sehr gut im Ultraschallbereich wahrnehmen kann).
Soziale Filter: Diese Filter werden bestimmt durch alle gesellschaftlichen Lebensbereiche einer Person.
Individuelle Filter: Das sind Filter, die durch das, was wir glauben, durch unsere Werte, Erinnerungen und Erfahrungen gestaltet werden.

Das daraus resultierende Filtrat wird zusätzlich je nach Tageslaune und Gesundheitszustand generalisiert und verzerrt, teilweise werden Informationen auch wieder getilgt, so dass jeder von uns eine ganz individuelle Wahrnehmung der Welt hat. Der Mensch gibt mithilfe seiner Filter allen Erfahrungen, die er macht, einen Sinn.

Alter Rahmen – neuer Rahmen
Der Sinn, den wir einer bestimmten Erfahrung geben, beeinflusst unsere Gefühle, Gefühle wiederum bestimmen unsere Handlungen. Man kann auch sagen, dass wir durch die Sinngebung unseren Gefühlen einen Rahmen geben. Wenn aber eine bestimmte negative Sinngebung dich immer wieder in emotionale Sackgassen führt, dich lähmt und dich davon abhält aktiv deinen Weg zu gehen, kannst du den Rahmen verändern. Diese Methode nennt sich „Reframing“, wörtlich übersetzt „einen neuen Rahmen geben“ oder etwas freier interpretiert „umdeuten“. Es geht darum, Ereignisse, Phänomene oder auch Informationen in einem anderen Zusammenhang zu sehen, als der, den wir ihnen spontan geben. Du kannst den Umständen bewusst eine Bedeutung geben, die dich auf deinem Weg unterstützt.

©RoDobby, pixabay.com

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Gestaltest du die Umstände oder gestalten die Umstände dich
„Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.“ ~ Viktor Frankl (1905 – 1997)
Wenn man also unter einer bestimmten Emotion leidet, dann kann man die Bedeutung der Erfahrung, die dieser Emotion zugrunde liegt, verändern. Yoga und Meditation unterstützen solch eine Vorgehensweise. Du kannst innerlich ein Stück zurücktreten und dem Ganzen einen neuen Sinn geben.
Leider praktizieren die wenigsten Menschen den Weg, ihre Erfahrungen einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten und ihnen einen neuen Rahmen zu geben. Dabei kann solch eine Vorgehensweise jeden Menschen glücklicher und weiser werden lassen.
Wenn du also immer wieder durch die gleiche Erfahrung Traurigkeit und Unglücklichsein erfährst, dann ist es vielleicht an der Zeit, die Perspektive zu überdenken und dem Ganzen einen neuen Rahmen zu verpassen.
Beispiel: Eine Yogaschülerin war unglücklich verliebt. Sie liebte einen Mann, der sie wiederholt mit Worten und Taten kränkte und hasste sich dafür, dass sie ihn noch nicht längst verlassen hatte. Anstatt in der Sackgasse von Selbstablehnung und Scham steckenzubleiben, nahm sie sich innerlich in den Arm und sagte sich: „Komm her, du Liebe, du machst auf dieser Erde gerade die Erfahrung wie es ist abgelehnt zu werden und um Liebe zu betteln. Das verbindet dich mit den vielen Menschen um dich herum. Nun kannst du vielleicht auch lernen, wie du für dich sorgen kannst.“ Der Sinn, den diese Yogaschülerin dem Erleben gab, war, dass solche Erfahrungen Lernprozesse auf dem Lebensweg sind und sie darüberhinaus lernen kann, sich anzunehmen und Mitgefühl für ihre Umgebung zu entwickeln. Diese Yogaschülerin hat ihre unglückliche Beziehung nicht gleich beenden können, ihre neue Sichtweise half ihr aber, sich Schritt für Schritt aus der Beziehung zu lösen und letztendlich darüberhinaus zu wachsen.

©JudieCBell, pixabay.com

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Innehalten und tief durchatmen
„Der Atem ist die Brücke zwischen Leben und Bewusstsein und er vereinigt Körper und Gedanken.“ ~ Thich Nhat Hanh, Lächle deinem eigenen Herzen zu
Wenn du eine störende Emotion wahrnimmst, dann laufe nicht vor ihr fort, sondern erlaube dir, diese wahrzunehmen. Lass deinen Atem lang und tief fließen. Erlaube dir ein Innehalten, eine Pause und die Wahrnehmung des Schmerzes. Erkenne die Gedankenmuster hinter dem Schmerz. Beginne die dem Schmerz zugrundeliegenden Gedanken zu verändern. Vielleicht findest du einen ganz neuen Sinn in den unglücklichen Umständen…

Rezept für das Neurahmen von Emotionen

  • Akzeptiere hier und jetzt, dass du möglicherweise in vielen Lebenssituationen innerlich auf emotionalen Autopilot geschaltet warst und den Umständen unwillkürlich spontan eine Bedeutung gegeben hast, die zerstörerisch wirkte. Von nun an kannst du innehalten, die Muster und Gefühle wahrnehmen und den Geschehen kreativ einen unterstützenden Sinn geben.
  • Baue eine Pause ein. Nimm einen tiefen Atemzug. Lass deine automatisierten Gedankenreaktionen vorüberziehen. Dann überdenke das Geschehen neu.
  • Mache dabei vielleicht einen Spaziergang in der Natur oder praktiziere ein stärkendes Yogaset, singe ein Mantra, schaue dir ein schönes Bild an, höre angenehme Musik, zünde eine Kerze an. Umgebe dich mit Dingen, die dir Kraft und Wärme schenken und dich positiv beeinflussen.
  • Nun kannst du dich bewusst dem negativen Glaubenssatz zuwenden, dem Muster, das hinter deiner Emotion steckt. Wie kannst du diesen Glaubenssatz verändern, wie kannst einen neuen Glaubenssatz basteln und dem Ganzen einen anderen Sinn geben.
  • Wichtig ist natürlich, das alte Denken zu ehren. Es war vielleicht eine Zeit lang sinnvoll; du musst es nicht gleich ganz über Bord werfen, es hat dich vielleicht sogar vor mancher Malaise bewahrt. Du darfst dem Muster allerdings eine neue Richtung geben, einen neuen Sinn. Wir sind nämlich wunderbare und unendlich kreative Wesen, wir dürfen uns heilen und eine erfüllte und reiche Zukunft erfahren.

Empfehlenswerte Literatur sind die Bücher von Viktor Frankl. Dr. Frankl ist der Begründer der Logotherapie. Dr. Frankl sagt, dass wir Menschen immer gebunden sind an bestimmte Bedingungen. Die können wir oft nicht verändern, aber wir Menschen haben immer die Freiheit, diesen Bedingungen eine sinnvolle Bedeutung zu geben. Der kleine Youtube Film ist leider nur in englischer Sprache verfügbar. Er wurde von einem jungen Mann (22)  kreiert, der die Ideen von Dr. Frankl auf eindrückliche Weise wunderbar skizziert und wiedergibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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