Der Wert der Selbstkommunikation

Selbstgespräche
Viele Menschen kennen das: Sie reden mit sich selbst. Auf Außenstehende jedoch wirken  Selbstgespräche oft befremdlich, dabei sind sie aus pychologischer Sicht völlig normal. Sie können sogar hilfreich sein, denn man merkt sich zum Beispiel  Sachen besser, wenn man vor sich hinredet. Mit Hilfe von Selbstgesprächen kann man darüber hinaus seine Gefühle verarbeiten,  Gedanken ordnen und gliedern, außerdem die Konzentrationsfähigkeit stärken und sich besser fokussieren.

Auch viele Leistungssportler sprechen mit sich selbst. Wenn man ihnen bei ihren Wettkampsvorbereitungen zusieht, kann man beobachten, wie sie vor sich hinmurmeln. Sie motivieren sich auf diese Weise selbst oder gehen bestimmte Bewegungsabläufe durch.

Der Psychologe Thomas Brinthaupt von der Middle Tennessee State Universität in Murfreesboro (USA) hat eine „Self-Talk“- Skala entwickelt, die vier Hauptfunktionen von Selbstgesprächen beschreibt:
„Selbstgespräche können unter anderem dazu dienen, erstens Selbstkritik zu üben, zweitens sich selbst zu managen, drittens soziale Situationen einzuschätzen und viertens sich selbst zu bestätigen“.

Kinder und Selbstgespräche
Bei Kindern sind Selbstgespräche vollkommen üblich. Im Alter von etwa zwei Jahren fangen sie an, das Selbstgespräch von sich aus zu kultivieren. Viele Kinder reflektieren im Kindergartenalter ihren Tag, indem sie abends im Bettchen mit sich selbst sprechen.
„Das Sprechen mit sich selbst übernimmt eine Verarbeitungs- und Strukturierungsfunktion. Die intensiven Erlebnisse der Welt, die auf sie einströmen und zu viel für das Gehirn sind, müssen schließlich eingeordnet werden.“~ Peter Falkai, früherer Präsident der deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN), Psychiater und Psychotherapeut von der Universität München.
Der Psychologe Adam Winsler (George Mason University Fairfax/Virginia, USA) hat im Rahmen einer Studie festgestellt, dass drei- bis fünfjährige Kinder, die mit sich selbst sprechen, Rätsel schneller lösen können. Im Alter von sechs Jahren beginnen Kinder aber damit, ihre Gedanken für sich selbst zu behalten. In der Gegenwart anderer führen sie Selbstgespräche nur noch flüsternd, wenn sie überhaupt noch mit sich reden. Adam Winsler nimmt an, dass ihnen die Gespräche mit sich selbst quasi abtrainiert werden. Dabei nutzen Kinder Selbstgespräche zum selben Zweck wie Erwachsene, sie ordnen ihre Gedanken und Gefühle.

Warnzeichen
Selbstgespräche können natürlich auf eine psychische Störung hinweisen. Bei dieser Form der Selbstgespräche kommunizieren Betroffene zum Beispiel mit Stimmen, die sie ganz physisch in ihrem Kopf hören. Solche Zustände können unter anderem bei Schizophrenie, bestimmten Depressionsformen oder im Drogenrausch auftreten. Außenstehende bemerken bei Betroffenen manchmal, dass sie ständig die gleichen Sätze wiederholen oder grundlos in der Öffentlichkeit laut schimpfen, etwa in der U-Bahn. Diese Form der Selbstgespräche ist hier nicht gemeint.

Eine ordnende und stärkende Kraft
Schon vor Jahrzehnten wies Yogi Bhajan auf die ordnende und stärkende Kraft von Selbstgesprächen hin. Obwohl die positive Wirkung von Selbstgesprächen natürlich auch für Frauen gilt, hat Yogi Bhajan im Rahmen seiner Männerkurse auf das Potential von Selbstgesprächen hingewiesen, da viele Männer wenig reden
und ihre Blockaden nicht mit sich selbst besprechen oder bereinigen.

yb_photoarchive1Yogi Bhajan: Der Wert der Selbstkommunikation
„Es gibt Blockaden, über die Männer nicht reden. Diese Blockaden halten Männer davon ab, ihr Potential zu verwirklichen. Nur diejenigen, die sich soweit entwickelt haben, dass sie ein bewusstes Dasein führen, können ohne diese Blockierungen existieren. Aber niemand von uns kann zu jeder Zeit bewusst sein. Wir haben das nicht eingeübt.

Stattdessen haben wir es gelernt, emotional zu werden. Emotionales Verhalten und die dazugehörigen Ausbrüche können sehr befriedigend sein. Es ist wirklich schwer, solche Verhaltensweisen zu ändern. Dieses Gebaren ist vielen schon seit ihrer Kindheit vertraut und hat ihnen Erfüllung geschenkt. Daher haben sie das eine Bestreben: Sie wollen weiterhin solch eine emotionale Befriedigung erfahren.

Du musst lernen, mit dir selbst zu sprechen, bevor du mit jemand anderem sprichst. Da hast es nie gelernt, mit dir selbst zu sprechen und verstehst daher den Wert der Selbstkommunikation nicht. Weil du diese Erfahrung nicht gemacht hast und du nicht sprechen willst, bleiben die Blockaden weiterhin bestehen. Du verweigerst das Reden und das Leben treibt dich vorwärts, real betrachtet jedoch führst du kein erfülltes Leben.

Du hast Angst davor, deine emotionale Befriedigung aufzugeben, also hast du Ziegel für Ziegel eine Mauer um dich aufgebaut und damit deine Intelligenz vollkommen aus deinem Leben verbannt. Eine Sache, die dich führen, dir helfen und dich fördern könnte, etwas, mit dessen Hilfe du dich auf dich selbst beziehen und dich selbst wiedergeben könntest und das dir Vertrauen in deine Persönlichkeit geben kann, ist nun für immer durch dich selbst ausgeschaltet worden.  Um das eine Ding zu bekommen, musst du ein anderes Ding aufgeben. Du willst Intelligenz und zugleich die Emotionen, aber beides zusammen geht nicht.  Wenn du intelligent bist, dann bist du nicht emotional, wenn du emotional bist, dann bist du nicht intelligent. So einfach ist das.

Es ist egal, wie weise oder großartig du bist, wenn dein Ego mit deinen Emotionen kommuniziert, dann entsteht eine innere Blockade, die eine selbstzerstörerische Wirkung hat.  Jedes Mal, wenn sich dein Ego und deine Intelligenz treffen, dann wirst du erfolgreich sein, egal wer oder was du bist. Dein Ego ist wie ein allgemein gebräuchliches Kabel, das mit einem Kippschalter verbunden ist. Deine Emotionen und deine Intelligenz sind  wie die beiden Gegenpole.   Es geht nur darum, den Strom zu dem einen Pol abzuriegeln und ihn so zu dem anderen Pol fließen zu lassen.

In unserem Verständnis und in unseren Leben haben wir eine Blockade. Einerseits sind wir Kinder Gottes,  andererseits sind wir Kinder unserer Egos. Als Kinder unserer Egos haben wir Angst, über unsere Blockaden zu sprechen. Aber wenn wir darüber nicht sprechen können, wie können wir diese Sperre dann überwinden?  Es gibt eine  Schwäche in uns allen, nämlich andere für unsere Fehler verantwortlich zu machen. Das ist ein sehr machtvoller Block. Diese Schwäche hat schon sehr viele Leben ruiniert. Als Kinder erwarten wir immer Bemutterung. Wenn wir erwachsen sind, dann wollen wir noch immer bemuttert werden. Wenn etwas schiefgeht im Leben, dann machen wir jemand anderen dafür verantwortlich, weil wir nie wirklich wir selbst sind.

Und um ehrlich zu sein, wir wollen überhaupt nicht wir selbst sein. Wir wollen immer jemand anderes sein, jemand anderen kopieren, für jemand anderen fühlen, über jemand anderen nachdenken oder uns mit jemand anderen vergleichen. Wir werten uns selbst und unsere Nachbarn, ob wir reich oder arm sind, wer schön ist und wer nicht. Denke mal darüber nach und dann stelle dir die Frage: Wer bist DU eigentlich?“
© Yogi Bhajan, Link zum Originalbeitrag

Zum Weiterlesen:
Spiegel online: Die Macht der Selbstgespräche
Karrierebibel: Selbstgespräche vergrößern den Erfolg
hr1: Erfolg durch Selbstgespräche

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