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Der Vagus: Ruhe- und Selbstheilungsnerv

Die Verschiedenartigkeit von uns Menschen ist bestimmt durch eine ungleiche Genetik und darüber hinaus durch das Umfeld, die Lebensweise, die Erfahrungen und durch die Erziehung einer jeden Person. Die ayurvedische Medizin trägt den Besonderheiten der verschiedenen Individuen schon seit Jahrhunderten Rechnung, indem die Ayurveda-Ärzte mithilfe einer uralten Typenlehre diagnostizieren und behandeln. Demnach birgt jeder Mensch von Geburt an ein eigenes Mischverhältnis der drei Körperkräfte: Vata (Luft und Äther bzw. Raum, Leitmotiv: wechselhaft), Pitta (Feuer, Leitmotiv: intensiv), Kapha (Erde und Wasser, Leitmotiv: entspannt). Diese sogenannten Doshas (übersetzt: Fehler beziehungsweise das, was Probleme verursachen kann) richten sich unter anderem nach der Arbeitsweise des sogenannten vegetativen Nervensystems. Um hier anzuregen oder zu beruhigen, werden bestimmte körperliche Abläufe, deren Ausdruck selbstverständlich auch im geistig-seelischen Bereich wahrzunehmen ist, durch Massagen, Ernährungskuren, ayurvedische Medikamente und Übungen gebremst, intensiviert oder hamonisiert.

Das_vegetative_NervensystemVegetatives Nervensystem
Das vegetative Nervensystem steuert körperliche Prozesse vollkommen eigenständig und uns nicht bewusst. Das parasympathische Nervensystem ist einer der drei Bestandteile des vegetativen Nervensystems und wird als „Ruhenerv“ oder „Erholungsnerv“ bezeichnet, da es dem Stoffwechsel, der Erholung und dem Aufbau körpereigener Reserven dient. Sein Gegenspieler ist der Symphatikus. Er bewirkt bei besonderer Belastung eine Leistungssteigerung des Organismus. Er steigert die Herz- und Atemfrequenz, erhöht den Blutdruck und stellt Energie durch Abbau von Kohlenhydraten bereit. Das im Darmtrakt vorhandene enterische Nervensystem ist der dritte Baustein des vegetativen Nervensystems.

GlossoDer Vagusnerv
Der Nervus Vagus macht den größten Teil des parasympathischen Nervensystems aus und ist über vielfache Verzweigungen mit fast allen inneren Organen verbunden. Der Nervus vagus ist der zehnte, längste und vielschichtigste der zwölf paarig angelegten Hirnnerven, deren Kerne direkt im Gehirn liegen. Er beginnt im Hirnstamm, hinter den Ohren. Von dort wandert er auf jeder Seite des Nackens nach unten bis zum Bauch.Das Wort ‚vagus’ stammt aus dem lateinischen und bedeutet ‚der Umherschweifende’. Neben seiner parasympathischen Steuerungsfunktion der inneren Organe über seine über viszeromotorischen (die Bewegungen der unwillkürlichen Muskulatur betreffend) Fasern verfügt er auch über motorische und sensomotorische Afferenzen (Efferenz: Informationen und Befehle, die vom Gehirn aus an den Körper gesendet werden. Afferenz: Informationen, die zum Gehirn hingeleitet werden).

Wenn der Nervus Vagus aktiviert ist, dann ist der Körper in der Lage zu entspannen. Eine Anregung dieses Hirnnervs ist verbunden mit einer guten Regulation des Blutzuckers, einem verringerten Risiko für Schlaganfälle und Herzprobleme, einem ausgeglichenen Blutdruck und einer gesunden Verdauung. Ein belebter Nervus Vagus verringert die Anfälligkeit für Migräne, wirkt günstig auf die Darmflora und hilft gegen Entzündungen. Er beruhigt unser Körpersystem und somit auch unseren Geist, er stärkt unsere Resilienz und verbessert unseren Umgang mit Stress, damit sorgt ein tonisierter Nervus Vagus indirekt für eine ausgeglichene Stimmungslage und gute Laune.

Bei zu geringer Aktivierung des Nervus vagus sind Körper und Geist stressanfälliger, Betroffene klagen über depressive Verstimmungen und Konzentrationsminderungen, Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Übellaunigkeit und Gereiztheit. Das Schlaganfallrisiko, die Anfälligkeit für Diabetes oder Entzündungen (rheumatische Erkrankungen, Arthritis und entzündliche Darmerkrankungen) steigt.

© johnhain, pixabay.com

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Meditation und Yoga

Yogaübungen und Meditationen aktivieren das parasympathische Nervensystem. Yogis und Yoginis durchbrechen den Circulus vitiosus von „Höher, Schneller, Weiter“ , indem sie mittels ihrer Praxis und ihrer Lebensrhythmen ihre Leben entspannter gestalten. Ein wichtiger Kanal für Lebensenergie ist der Ayurveda nach der Manovaha-Nadi. Dies bedeutet „Träger des Bewusstseins“. Der Nadi verläuft aus dem Unterleib durch den Brustkorb bis in der Kopf. Patanjali nennt diesen Kanal Kurma-Nadi, den Schildkrötenkanal. Auf körperlicher Ebene würde der Nadi dem Nervus vagus entsprechen. So wie die Schildkröte ihre Glieder einzieht und zur Ruhe kommt, so kommt der Mensch zur Ruhe, wenn der Vagusnerv aktiviert wird.
Ganz besonders die rückbeugenden Übungen dehnen und tonisieren den Nervus vagus. Um den Effekt zu verstärken, kann man das Anhalten des Atems praktizieren.

Selbstwahrnehmung stärken
Die folgenden Tipps sind jedoch nicht für alle Personen gleich hilfreich, obwohl selbstverständlich viele Menschen heutzutage ihren Symphatikus aktiviert haben, sprich unter Symphatikotonie leiden. Der Grund für eine erhöhte Erregbarkeit des sympathischen Nervensystems ist, dass unsere Leistungsgesellschaft so hohe Ansprüche stellt, dass viele Personen sich in einem permanenten Kampf- oder Fluchtmodus befinden. Es gibt jedoch einige Menschen, deren ‘Ruhenerv’ so stark tonisiert ist, dass es ihnen schwerfällt, in Aktion zu kommen. Ein Anliegen dieses Blogbeitrags ist es daher, dass die Leserin oder der Leser sich für sich selbst sensibilisiert und so wahrnehmen kann, welcher Tipp und welche Technik sie oder ihn letztendlich harmonisiert.

Atmung

Atmung

Der lange tiefe Atem
Solch eine Atemweise führt durch eine verstärkte, verlangsamte und vertiefende Atembewegung zur Aktivität parasympathische Nervensystem, indem der Nervus vagus aktiviert wird. Das ruhige Heben und Senken des Brustkorbs und des Bauches übt einen positiven Einfluss auf den Parasympathikus aus. Letztendlich profitieren alle Körpersysteme von einer erhöhten Sauerstoffzufuhr, so auch das vegetative Nervensystem.

‘Das Leben sollte sehr bewusst gelebt werden, aus diesem Grunde wurde dir dieses Leben geschenkt. Aus diesem Grunde besitzt du zwei Nasenlöcher und nicht nur ein Nasenloch. Das linke Nasenloch Ida und das rechte Nasenloch Pingala wahren deine Temperatur. Der Atem ist das Geheimnis des Lebens, der Atem ist die Freude des Lebens, und der Atem ist der Magnet des Lebens. Wenn du also singst, dann schwingst du und ziehst du alles an und das umschließt Gott, der das Bewusstsein und der Schöpfer von allem ist.’ ~Yogi Bhajan, Atem ist Leben

Singen, Summen und Lachen
Lachen erhöht die Endorphinausschüttung. “Für deine Gesundheit solltest du täglich zwei Dinge machen: Einmal schwitzen und einmal lachen.”~Yogi Bhajan.
Wenn man lacht, singt oder summt, dann schüttet die Hypophyse vermehrt Oxytocin aus, es wird Serotin freigesetzt (etwa 90 % des Serotonins ist im Magen-Darm-Trakt gespeichert). Das wirkt stressmindernd, regt somit den Parasymphatikus an und sorgt für emotionale Ausgeglichenheit.

Kaltes Wasser – Hydrotherapie
Hydrotherapie (Behandlung mit vornehmlich kaltem Wasser) ist eine der ältesten Behandlungsformen der Menschheit. Schon im alten Indien, in China und sogar im antiken Rom hat man sie mit Erfolg angewandt. Eine kalte Dusche am Morgen aktiviert den Nervus Vagus. Außerdem tonisiert es den Vagusnerv, wenn man das Gesicht in kaltes Wasser taucht! Empfehlung: Fünfzehn Sekunden lang, fünf bis zehn Mal.

Die gesunde Darmflora
Es ist nicht nur wichtig, auf eine gesunde Ernährung und eine gute Darmflora zu achten, damit das Immunsystem stark ist, sondern auch, weil eine gesunde Darmflora aktivierend auf den Nervus Vagus wirkt und damit eine stärkende und entspannende Wirkungskraft hat.

Positive Gefühle
Einer Studie von Barbara Fredrickson und Bethany Kik zufolge führen positive Emotionen zu stärkerer sozialer Nähe, da der Vagusnerv angeregt ist. Bei diesem Experiment wurde die Loving-Kindness-Meditationstechnik verwendet, um die Teilnehmer in eine gute Stimmung zu bringen. Es zeigte sich jedoch, dass schon die Reflexion auf positive soziale Kontakte den vagalen Tonus steigern konnte.

Quellen: The Library of Teachings, Der Parasympathikus aus der Sicht des Yoga, The Hearty Soul, Der Vagusnerv und die Selbstheilkraft

Zum Meditieren und Mitsingen

Ein Gedanke zu „Der Vagus: Ruhe- und Selbstheilungsnerv

  1. elke meier

    Dein Kommentar wartet auf Freischaltung.

    Schreibfehler: Es muß SEROTONIN heißen. (Singen, Summen und Lachen)
    sat nam

    Antworten

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