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Der Musculus Psoas Major – unser Seelenmuskel

Der Psoas-Muskel verbindet die Wirbelsäule mit den Beinen und ist darüber hinaus durch bindegewebrige Verkettungen mit dem Zwerchfell verknüpft.  Sein  Spannungszustand beeinflusst auf diese Weise unsere Atmung. Wenn der Psoas-Muskel stark und gleichzeitig entspannt ist, dann ist die Atmung länger und tiefer und man kann mehr Vitalität und Lebensfreude wahrnehmen.
Ein starker und flexibler Psoas-Muskel hat außerdem eine dynamisierende Wirkung auf den Beckenboden. Er unterstützt die Beckenbodenmuskulatur in ihrer Haltefähigkeit, aber auch in ihrer Befähigung  zum Loslassen. Aus diesem Grunde hat der Psoas-Muskel einen erdenden Effekt, er wirkt stabilisierend und stärkend, unterstützt das Urvertrauen und damit die Entspannungsfähigkeit. Der Psoas-Muskel ist ein Teil des Körpers, der von der Körpermitte ausgehend, die Brust und das Becken miteinander verbindet

 

Kampf- und Fluchtmuskel

In der traditionellen japanischen Kampfkunst (und in der japanischen Medizin) wird der Psoas-Muskel in Zusammenhang mit dem Begriff Hara gebracht, der einerseits der anatomische Ausdruck für den Bereich zwischen Brustbein und Schambein ist und der andererseits das energetische Feld des Körpers beschreibt.

Der Zwerchfellmuskel trägt zusätzlich zur Verspannung in diesem Bereich bei. Der Psoas-Muskel überlagert die Darmbein- und Zwerchfellmuskeln entlang des Rückenmarks. Zusammen bilden sie ein verbundenes System von Brustkorb, Becken und Beinen. Weil das ein solcher strategischer Schutzbereich ist, findet sich auch die größte Zahl von sympathischen Nerven (Kampf- oder Fluchtnerven) in dieser Gegend des Körpers.
(David Berceli: Trauma Releasing Exercises. Book Sourge 2005, 13 -14; 16)

Der Psoas-Muskel (auch großer Lendenmuskel genannt) gilt somit als  einer der Kampf- oder Fluchtmuskel des Körpers. Während einer jeden traumatischen Erfahrung ziehen sich die Psoas-Muskeln in den beiden Körperhälften zusammen, sie spielen daher eine wichtige Rolle in der Traumaspeicherung beziehungsweise in der Traumaheilung.
Um die physischen Traumakontraktionen zu heilen, müssen diese tiefsitzenden Muskeln ihre schützende Spannung loslassen und zu einem entspannten Zustand zurückkehren. Es ist allgemein bekannt, dass Menschen nach besonders dichten, stressigen oder traumatischen Erfahrungen durch Massagen,  heiße Bäder, Schwitzhütten oder durch Übungen das Trauma auflösen und den Körper in einen gesunden Zustand bringen können. Schüttelübungen, die auch im Kundalini Yoga vorkommen, können die Lösung von traumabedingten Muskelverspannungen begünstigen.

Eine Aufgabe des Psoas Major ist folglich, uns in Gefahrensituationen zu schützen, indem wir  fliehen oder uns verteidigen können. Im Zusammenspiel mit weiteren Körperfunktionen werden dank seines Einflusses Botenstoffe wie Adreanlin und Dopamin ausgeschüttet. Daher ist der Spannungszustand dieses Muskels auch Gradmesser für unser persönliches Sicherheitsgefühl. Aus diesem Grunde wird der Psoas-Muskel auch Seelenmuskel genannt.

Anatomie des Psoas-Muskels

Der Psoas – Muskel (Musculus psoas major lat. für „großer Lendenmuskel“) ist ein Skelettmuskel der unteren Extremität. Er verbindet die Lendenwirbelsäule mit dem Oberschenkel und gehört zur sogenannten Kernmuskulatur. Er beeinflusst unsere Haltung, stabilisiert die Wirbelsäule und ist unser stärkster Hüftbeuger.

Wenn der Psoas-Muskel kontrahiert, dann zieht er den Rumpf und den Oberschenkel zueinander hin. Wenn man zum Beispiel gewohnheitsmäßig sitzt, regelmäßig intensive Sit-Up-Übungen praktiziert oder viel Fahrrad fährt, dann kann es sein, dass sich dieser Muskel verkürzt und in der Folge verhärtet. Ein zu fester Psoas-Muskel wiederum zieht den unteren Rücken in Richtung Oberschenkel, die Auswirkung dessen kann eine zu starke Krümmung der Wirbelsäule nach vorne sein (Hohlkreuz). Das hingegen ist eine der Ursachen für Schmerzen im unteren Rücken und für Steifigkeit.

Ist der Psoas-Muskel schwach und überdehnt, kann seine fehlende Kraft Rücken- oder Beckenschmerzen und sogar Bandscheibenvorfälle bewirken.
Obwohl der Psoas einer der wichtigsten Muskeln ist, um Yogapositionen einzunehmen und zu halten, haben viele Yogapraktizierende nur eine sehr undeutliche Vorstellung davon, wo sich dieser Muskel befindet.


Wenn du diese Grafik anklickst, dann kannst du den Psoas Mayor von allen Seiten betrachten.

Die oberflächliche Schicht des Psoas Mayor entspringt dem zwölften Brustwirbelkörper, den ersten Lendenwirbelkörpern und den ihnen zugeordneten Bandscheiben. Die tiefe Schicht hat ihren Ursprung an den Querfortsätzen der Lendenwirbel, daher wird dieser Muskel auch großer Lendenmuskel genannt. Beide Anteile vereinigen sich mit dem Darmbeinmuskel und gelangen, umhüllt von einer Faszie als Lenden-Darmbeinmuskel durch die Muskelpforte der Beckenleiste zum kleinen Rollhügel des Oberschenkelknochens, an dem sie ansetzen.

Du kannst die wesentliche Wirkung des Psoas gut wahrnehmen, indem du dich auf die vordere Kante eines Stuhls setzt. Richte dich gerade auf und strecke deine Arme parallel zum Boden aus. Dann lehne dich mit geradem Rücken immer weiter zurück, ohne jedoch die Stuhllehne zu berühren. Hebe die Brust an. Die Schwerkraft versucht, deinen Rumpf in Richtung Boden zu ziehen, während der Psoas-Muskel sich zusammenzieht, um dich zu halten.
Wenn der Psoas kontrahiert, dann zieht er den Oberschenkelknochen und die Wirbelsäule näher zueinander hin (Hüftbeugung). Wenn du dich beispielweise in der Rückenlage befindest und dein linkes Bein gerade nach oben hebst (im rechten Winkel zum Körper), dann geschieht das durch die Kontraktion des linken Psoas-Muskels.

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Navasana – das Boot
Die Boothaltung (Navasana) ist eine weitere Yogaposition, die den Psoas-Muskel involviert und ihn durch isometrische Muskelspannung stärkt (Halteübung). Du sitzt auf dem Boden auf deinen Sitzbeinhöckern und beugst die Knie. Deine Füße sind flach auf den Boden gestellt. Du umfasst mit einem leichten Griff deine oberen Schienbeine. Hebe deine Brust an und lehne dich zurück, bis deine Ellenbogen durchgestreckt sind; dann löse deine Hände von deinen Schienbeinen und halte deine Arme nach vorne hin ausgestreckt und parallel zum Boden ausgerichtet. Die Füße sind nach wie vor mit dem Boden verbunden. Diese Übung stärkt außer dem Psoas-Muskel auch den Bauch und den Rücken. Ziehe unbedingt den tiefen, queren Bauchmuskel mit jedem Ausatmen in Richtung Wirbelsäule und aktiviere deinen Beckenboden.

Wenn du diese Übung intensiver ausführen möchtest, dann kippe etwas mehr nach hinten, hebe die Füße vom Boden ab und finde dein Gleichgewicht. Der Psoas-Muskel leistet unter diesen Umständen eine noch gründlichere Haltearbeit, da er das Gewicht des Rumpfes und der Beine gegen den Zug der Schwerkraft hält. Man kann einige Atemzüge lang in der Position verharren oder die Haltung intensivieren, indem man die Unterschenkel hebt und parallel zum Boden hin ausrichtet. Würde man die Unterschenkel noch weiter anheben, bis die Knie durchdrückt sind, dann würde man das Boot (Navasana) in reiner Form ausüben. Um diese herausfordernde Asana halten zu können, agiert der Psoas wie ein Halteseil.

exercise-1801507_1280Wie man den Psoas-Muskel entlastet

Um einen Muskel zu dehnen, muss man das Gegenteil seiner eigentlichen Funktion ausführen. Will man den Psoas dehnen, dann muss man also die Hüfte verlängern, d.h. man muss die Lendenwirbelsäule und den Oberschenkel voneinander fort bewegen. Sogenannte Lunge-Positionen (dt. Ausfallschritt-Positionen) erfüllen diese Aufgabe.

Ausführung:
Lehne dich mit deiner rechten Rumpfseite gegen einen Türrahmen, eine Wandkante, eine Säule o.ä.. Mache mit dem linken Bein einen Schritt nach vorne und platziere deinen rechten Fuß ungefähr 60 bis 90 Zentimeter hinter deinem Körper. Hebe die rechte Ferse.   Strecke die Arme über deinem Kopf gerade nach oben. Beuge beide Knie leicht und richte dein Schambein, den Bauchnabel und das Brustbein übereinander aus. Strecke deine Arme gerade nach oben aus und lehne deine Hände gegen die Wand. Es ist wichtig, dass du das Becken aufrichtest, ein fester Psoas-Muskel versucht das Becken weiter nach vorne und unten zu ziehen (Hohlkreuz), daher ist es wichtig, das Becken aufzurichten, um diesen Muskel zu dehnen. Drücke also das Schambein gegen die den Türrahmen und ziehe den Unterbauch und den Nabel etwas vom Türrahmen fort, während du dein Brustbein wiederum in Richtung Türrahmen bewegst. Jetzt verlängerst du den Psoas-Muskel und befreist den unteren Rücken von Druck und Beschwerden. Halte diese Position für etwa eine Minute und wechsle anschließend die Seite. Atme lang tief in die Dehnung hinein.

Quellen:
Julie Gudmestad, Physiotherapeutin, Yogalehrerin; Wilfried Ehrmann, Psychotherapeut, Buchautor; yoga-wiki; wikipedia;

2 Gedanken zu „Der Musculus Psoas Major – unser Seelenmuskel

  1. Evelyne Mittag

    Eine sehr umfangreiche und assoziative Aussage über den Musculus Psoas Major. Besonders hat mir die Darstellung von allen Seiten gefallen und die Aussage zur Beziehung unserer Seele und des Loslassens.
    Desweiteren bietet dieser Kommentar eine wunderbare Möglichkeit, uns daran zu erinnern, daß wir auf unsere Aufrichtung achten sollen und welche Übungen hierfür regelmäß9g angesagt sind.
    Vielen Dank
    SAT NAM Evelyne

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