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Ayurvedischer Tageslauf

Der Ayurveda ist einerseits eine Lebensweise, nach der sich jeder richten kann, um seine Selbstheilungskräfte anzuregen, einen harmonischen Zustand in Körper, Geist und Seele zu stimulieren und sich seine Gesundheit bis in das hohe Alter hinein zu erhalten. Der Ayurveda ist darüber hinaus eine jahrtausendalte indische Heilkunst. Auch heute noch behandeln ayurvedische Ärzte alle Erkrankungen von Allergien über Krebserkrankungen bis hin zu Zwölffingerdarmgeschwüren. Der klassische Ayurveda ist in Indien immer noch weit verbreitet, da die mittellose Bevölkerung traditionell kostenlos behandelt wird. Nur die ayurvedischen Medikamente müssen bezahlt werden. Ayurveda bedeutet übersetzt ‚das Wissen vom Leben’ (Ayus=Leben — Veda=Wissen).

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Selbst Götter wurden krank
Über die Entstehung des Ayurvedas gibt es unterschiedlichste Überlieferungen. Aber all die alten Geschichten besagen, dass das vielschichtige Wissen über das Leben von den Göttern an die Menschen übergeben wurde. Ayurveda existierte also bereits vor dem Menschen. Eine schöne Sage erzählt, dass Indra, der Herrscher des Himmels, einmal sehr krank wurde. Er hatte bei einem Festgelage viel zu viel gegessen. Er rief seine Ayurveda-Ärzte zur Hilfe, die den Gott Indra heilten, indem sie ihn einfache Essens- und Verhaltensregeln lehrten. Seitdem wurde Indra nie wieder krank und er begann, das ayurvedische Wissen zu verbreiten.

 

Bewusste Lebensgestaltung
Ayurveda bietet gerade für Gesunde einen guten Rahmen, um durch kleine Veränderungen in Handlungen und Bewusstsein, für körperliches Gleichgewicht und Wohlbefinden zu sorgen und Krankheiten vorzubeugen. „Die Grundregel lautet: Was immer wir selbst tun können, um unsere eigene Gesundheit zu stärken, wirkt besser als das, was andere für uns tun.“
~ David Frawley, Ayurveda-Experte und Yogalehrer

heart-3147976_640Ayurveda basiert auf den fünf Elementen Luft, Äther, Wasser, Erde und Feuer. Aus jeweils zwei dieser Elementen setzen sich die drei vorherrschenden Bioenergien (Doshas) zusammen, die wir in der Natur und in unserem Körper wiederfinden. Die drei Doshas werden als Vata (Luft und Äther), Pitta (Feuer und Wasser) und Kapha (Erde und Wasser) bezeichnet. Jede dieser Bioenergien beeinflusst uns mit ihren Qualitäten auf allen Ebenen unseres Seins. Vata ist beweglich, trocken, kalt und leicht wie der Wind. Pitta ist heiß, beweglich wie Flüssigkeit, spitz und scharf und Kapha ist schwer, kalt, stabil, unbeweglich und weich.

Die Bioenergien im Tageslauf
Auch im Tagesverlauf herrscht immer eine dieser Bioenergien vor. Die Zeit schreitet fort, sie bewegt sich und wir teilen den Tag daher in bestimmte Abschnitte ein: Tagesanbruch, Morgen, Mittag, Nachmittag, Abend und Mitternacht. Die Bewegungen der Doshas im Menschen und die Bewegungen der Zeit im Tageslauf stehen in Beziehung zueinander. Passt man nun sein Verhalten den Eigenschaften der gerade im Vordergrund stehenden Bioenergie an, dann kann das dafür sorgen, dass man sein inneres Gleichgewicht findet, besser verdaut oder besser schläft.

Tagesanbruch – Vata-Zeit
Von 2 bis 6 Uhr morgens bestimmt das Dosha Vata den Tag. Vata ist beweglich, leicht, subtil und klar. Der Schlaf wird unruhig, die Träume werden bewegter, vielleicht auch etwas rauer. Yogi Bhajan empfiehlt, während dieser Zeit Yoga zu praktizieren und zu meditieren. Der Tagesanbruch ist die beste Zeit, das Unterbewusstsein zu reinigen. Paradoxerweise ist es leichter vor 6 Uhr morgens aufzustehen als danach, da um 6 Uhr die Kapha Zeit beginnt.

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Weisst du, wer einen Menschen begleitet, wenn er frühmorgens aufsteht und Sadhana praktiziert? All die Engel, Heiligen und Weisen kommen, um zu lauschen. Ihre Seelen fliegen zu den Orten, um zuzuhören, wenn Gott besungen wird.
~ Yogi Bhajan, 4. Oktober 1977

Morgen – Kapha-Zeit
Von 6 Uhr bis 10 Uhr morgens ist Kapha-Zeit, um diese Zeit kommen viele Menschen nicht so leicht aus dem Bett, denn Kapha ist schwer und unbeweglich. Der Morgen ist etwas kühl, manche Menschen verspüren so früh keinen Hunger und sollten daher erst später etwas essen, denn die Verdauung kommt während der Kapha Zeit nicht wirklich in Gange. Wenn man zu dieser Uhrzeit ein Heißgetränk zu sich nimmt, dann ist das stärkend und gesund. Man kann sich während der Kapha Zeit in aller Ruhe auf den Tag vorbereiten, planen oder schriftliche Arbeiten erledigen. Menschen mit viel Pitta oder Vata können frühstücken, da die Nahrungsaufnahme zu einer Kapha-Zeit die Kapha-Energie im Körper vermehrt. Aus diesem Grunde sollten Menschen mit einer Kapha-Konstitution zwischen 6 und 10 Uhr morgens nicht essen. (~ Vasant Lad, Das große Ayurveda Heilbuch)

daisy-1317232_640Mittag – Pitta-Zeit
Von 10 Uhr bis 14 Uhr steht die Energie Pitta im Vordergrund. Pitta ist im Gegensatz zu Kapha heiß, nach oben steigend und aktionsorientiert. Die Verdauung ist aktiv; die beste Zeit für das Mittagessen ist um zwölf Uhr. Der Ayurveda empfiehlt zu essen, wenn die Sonne am Himmel steht (also bei Tage) und nicht in der Nacht. Das stört den Schlaf und beschert beunruhigende Träume.

Tiefenentspannung versus Mittagsschlaf
Schlaf ist eine der wichtigsten Regenerationsressourcen unseres Körpers, daher legt der Ayurveda viel Wert auf die gute Qualität des Nachtschlafes. „Schlaf erhöht Kapha, regeneriert Nerven und Sinne, nährt unseren Körper und erzeugt Glück und Langlebigkeit“, besagten die Ayurvedalehren schon vor 2000 Jahren.
Der Mittagsschlaf beziehungsweise Tagesschlaf wird im Ayurveda hingegen kritischer betrachtet, da er in vielen Fällen den Nachtschlaf beeinträchtigen kann.  Außerdem brennt während der Mittagszeit ‘Agni’, unser inneres Feuer, besonders stark, denn die feurige Sonne steht hoch am Himmel. Ein längerer Mittagsschlaf kann die Tätigkeit von Agni schwächen, Kapha steigt an. Verdauungsstörungen und Trägheit können die möglichen Folgen sein. Alte Menschen, Kinder, Geschwächte, Ausgezehrte,  Untergewichtige, Nachtarbeiter sowie psychisch belastete Menschen sollten bei Bedarf mittags schlafen, da diese Personengruppe ihr Kapha stärken muß. Vor allem an langen und heißen Sommertagen kann der Tagesschlaf für diese Menschen sehr gesund sein. Die Nächte sind kürzer und die tägliche Hitze raubt Energie. Für alle anderen gilt, besser eine schöne elfminütige Tiefenentspannung zu praktizieren, als sich eine Stunde “aufs Ohr “zu legen.

sea-429374_640Nachmittag – Vata-Zeit
Von 14 bis 18 Uhr bestimmt das leichte, bewegliche, luftige, trockene und kalte Vata-Dosha den Tageslauf. Der Nachmittag bietet sich an, wenn man Sport treiben oder kreativ und kommunikativ tätig sein möchte. Ayurvediker empfehlen während der Vata-Zeit zu Abend zu essen, da die Verdauung jetzt aktiv ist.

Abend – Kapha-Zeit
Der leichten und bewegten Nachmittagsenergie schließt sich ab 18 Uhr eine Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit an. Diese dauert bis 22 Uhr. Feierabend bedeutet, dass man eine Zeit der Ruhe und Entspannung genießen darf, nachdem das Tagwerk verrichtet ist. Yogaübungen dürfen jetzt restorativ sein, auch eine beruhigende oder stärkende Medition passt gut in diese Zeitspanne des Tageslaufs. Kapha ist unbeweglich, schwer und kühl. Auch die Verdauung ist verlangsamt. Wenn man also regelmäßig nach 18 Uhr zu Abend isst, dann sammelt der Körper Ama an. Ama ist das Wort für die Stoffe im Körper, die nicht vollständig verdaut beziehungsweise transformiert werden. Der Ayurveda bezeichnet diese Stoffe als giftig; zuviel Ama ist eine der Hauptursachen für Erkrankungen. Im Sanskrit bedeutet Ama übersetzt ‘ungekocht’ oder ‘unverdaut’. Die Ayurveda-Ärzte empfehlen, während der Kapha-Zeit, also vor 22 Uhr ins Bett zu gehen, weil man so besser in den Schlaf findet.

©pixabay

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Nacht – Pitta-Zeit
Von 22 – 2 Uhr morgens regiert Pitta. Wenn man während dieser Zeit schläft, dann ist das parasymphatische Nervensystem aktiv, die Nahrung , die sich noch im Darm befindet, kann verdaut und verstoffwechselt werden, der Darm reinigt sich. Manche wachen in der Nacht mit Heißhunger auf, weil Agni (das Verdauungsfeuer) aktiv ist. Der Ayurveda rät aber dringend von nächtlichen Kühlschrankgelagen ab, damit  kein Ama gebildet wird.

 

Askese
Das Wort Askese bedeutet übersetzt ‘üben’. Es ist einerseits positiv besetzt, weil man sich mittels der Askese auf Fähigkeiten und Tugenden konzentrieren kann. Askese hat aber auch einen sehr negativen Beiklang, weil man Verzicht üben muss.

Aus dem Ayurveda stammt die Formulierung, dass eine Krankheit die höchste die Form des Asketentums darstellt, da eine Krankheit Schmerzen verursacht, beschränkend ist und den Lebensraum des Leidenden verkleinert. Um wieder zu gesunden, muss sich ein Patient sehr streng an die vom Arzt angeordneten Diät-, Ruhe- und Bewegungspläne, die Einnahme von Medikamenten oder an bestimmte Tagesabläufe halten. In der westlichen Welt dagegen wird es als Askese angesehen, wenn sich jemand Ess- und Trinkgelage verkneift, auf Rauschmittel wie zum Beispiel auf Drogen oder Tabak verzichtet und auf einen gesunden Lebensrhythmus achtet.

Will man also auf die höchste Form der Askese (sprich Krankheit) verzichten, dann ist es unabdingbar, den Körper, den Geist und die Seele zu pflegen. Das ist mit Genuß und Freude, aber auch mit Disziplin verbunden, denn unsere Welt ist in punkto Lebensrhythmus, gute Ernährung und Harmonie mit der Umwelt aus dem Gleichgewicht geraten. Wichtig ist es zu spüren, welches Verhalten und welche Ernährungsweise dir guttun und den Mut zu haben, für dich zu sorgen.

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