Atmung

Atem ist Leben

Der Atem ist der Rhythmus des Lebens
Ständig haben es die Weisen an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichsten Zeiten immer wieder gesagt. Aber weder Gott noch seine Heiligen konnten irgendetwas ausrichten: Die vergessliche Natur des Menschen ist die Ursache dafür, dass er nicht im Kopf behalten kann, dass seine gesamte psychische Aktivität und seine intuitiven Fähigkeiten einzig auf seiner Atemfrequenz beruhen, weil die Atemfrequenz nichts anderes als der Rhythmus des Lebens ist. Das Lied des Lebens besteht absolut eindeutig aus dem Atem und seiner Frequenz.

Für uns ist Leben gegenständlich und nicht geistig. Doch in Wahrheit ist das Leben geistig und nicht gegenständlich. Die Materie umgibt das Geistige, niemals umgibt das Geistige die Materie. Das ist eine grundsätzliche Sache, die du ganz und gar verstehen musst. Materie kann weder existieren, noch erschaffen oder entworfen werden, ohne dass ein Geist dahintersteht. Drücke ich mich klar aus?

Es kommt auf das Geistige an und wo ein Geist existiert, da ist er von Materie umgeben. Und Geist bedeutet Atem. Die Verbindung mit dem Geistigen auf einer aktiven Bewusstseinsebene basiert darauf, ob und wie viel Pranayama (Kontrolle der Lebensenergie durch die Atmung) du praktizierst und wie du Pratyhara (das Zurückziehen der Sinne) ausübst. Entscheidend für deine Fähigkeit, deine individuelle Persönlichkeit mit der universellen Psyche zu verbinden, ist, wie sehr du die Atemmuskulatur zusammenziehen und wieder ausdehnen kannst. Das ist wirklich nichts Besonderes. Doch mit der Zeit hat der Mensch dieses Wissen verloren, er hat nicht auf diese Botschaft gehört. Immer wieder wurde das gelehrt, die Geschichten und die Haupakteure ähneln sich, nur die Technik ist unterschiedlich. Doch tatsächlich ist auch die Technik die gleiche geblieben, sie sieht nur jedes Mal ein wenig anders aus. …

©Pexels, pixabay.com meditate-1851165_640 Atem ist Wirklichkeit
Es gibt kein Erscheinungsbild und keine Realität, die einzige Wirklichkeit ist die des Atems. Wenn aller Atem und das gesamte Prana aufgebraucht sind, weil etwas stetig wiederholt wurde, dann wird es zu ‚Japa’ (lautes, leises oder auch nur gedankliches Wiederholen eines Mantras) ‚Japa’ kreiert ‚Tapa’ (Tapa ist ein Sanskritbegriff mit vielfältiger Bedeutung: Tapa heißt Hitze oder Wärme. Es bedeutet aber auch eine intensive spirituelle Praxis, die man mit Begeisterung ausführt). ‚Tapa’ hat die Kraft zu manifestieren, es stoppt sogar Gott.

Einige Menschen fragen sich, was es mit dem Rezitieren auf sich hat. Warum wiederholt man zum Beispiel ständig ‚Sat Nam’ (wahres Selbst)? Die Wiederholung von ‚Sat Nam’ bewirkt, dass du selbst zu ‚Sat Nam’ wirst, denn die schöpferische Kraft und die Kreativität der Materie, die sich in Form, Gestalt, Ausdehnung und Kontraktion ausdrücken, basieren auf einer einzigen Sache und das ist der Geist und der Atem des Lebens. Das ist alles. Aber weißt du, weshalb du das nicht begreifst? Weil du nichts gibst. Ein Freund klopft vielleicht einmal, zweimal, zehnmal, fünfzehn- oder zwanzigmal an deine Tür und wenn du ihm nicht ein einziges Mal die Tür öffnest, dann wird er aufhören, an deine Tür zu klopfen. Der Atem kommt, der Atem kommt, der Atem kommt , der Atem kommt , der Atem kommt , der Atem des Lebens kommt, aber du nimmst die Quelle deines Atems nicht wahr, nicht einmal während deiner Meditation. Die Hinwendung zur Quelle ist die Beziehung von ‚Japa’ zur Meditation. Das muss ganz bewusst geschehen, denn dann beginnt derjenige, der dir den Atem geschenkt hat, zu handeln. Wenn du nur unbewusst atmest, dann geschieht nichts.

Unbewusste Handlungen können qua deiner bewussten, spirituellen Beschaffenheit zu bewussten Handlungen werden. Es gibt die Veranlagung und es gibt das bewusste Naturell, so wie es persönliche und sachliche Persönlichkeitsanteile gibt. Wenn die persönlichen und die sachlichen Anteile des Seins in der der Selbstidentität nicht ausgeglichen sind, dann steckt man in Schwierigkeiten. Warum? Das Unpersönliche, Sachliche ist deine Kreativität zur Gestaltung der Zukunft und das Persönliche ist dein Jetzt. Das unpersönliche Jetzt ist das Morgen und das persönliche Jetzt ist die Gegenwart. Die Vergangenheit ist nichts weiter als das gegebene Umfeld. Die Vergangenheit und die Zukunft sind nicht real. Wirklichkeit findet jetzt statt, nur das Jetzt kann dir Erfahrung schenken. Wenn du die Gegenwart verpasst, dann hast du weder Vergangenheit noch Zukunft. Ohne ein Gleichgewicht zwischen persönlichen und unpersönlichen/sachlichen Persönlichkeitsanteilen herrscht Verwirrung, wird Trübsal geblasen, ist man oft wütend.

©jill111, pixabay.com

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Das Wichtigste ist ein reiches Herz
Es gibt zwei Dinge, die niemals gleichbleibend sind. Das eine ist das Geld, das andere ist die Zeit. In dem Moment, in dem sie unveränderlich sind, hören sie auf zu existieren. Das Geld muss sich bewegen, damit es dir etwas einbringt. Das ist das Gesetz des Geldes und das Gesetz der Zeit. Beides muss vibrieren, zirkulieren, sich bewegen. Reichtum hat Grenzen. Ein reicher Mann kann keine sechs Hemden und zwanzig Hosen zugleich tragen, er kann nicht in neun Autos auf einmal fahren. Du kannst dir ein riesengroßes Auto oder ein kleines Auto kaufen, aber du kannst nur in einem Auto zur Zeit fahren.

Genau genommen ist der Reiche ein Bettler, der für die Gegenwart bettelt, wohingegen der Arme inständig um seine Zukunft bittet. Der Arme hat nichts als sein Prana (Lebensenergie) zum Beten und sagt: „Gott, mache mich reich.“ Und der Reiche macht nichts anderes, als zu beten: „Gott, mach mich nicht arm.“ Letztlich haben beide nichts. Der Eine hat Angst vor der Armut, der Andere IST arm. Denke einmal an den Reichen, er isst, was er sich leisten kann und nicht das, was er essen sollte, daher ist er krank. Der Arme isst, was da ist, oft ist nichts da, daher ist er ebenfalls krank. Aus diesem Grunde sind beide krank. Der Arme hat nichts, was er geben kann, darum gibt er keine Almosen. Der Reiche könnte viel geben, aber er hat Angst zu geben, daher gibt er nichts.

Wenn der Reiche stirbt, dann kann er nichts mitnehmen. Alles wird ihm weggenommen. Der Reiche sagt, dass Reichtum dir aber ein gutes Gefühl gibt. Nein, das ist nicht wahr. Reichtum kann dir nur ein gutes Gefühl geben, wenn du gleichzeitig ein reiches Herz hast. Was passiert, wenn du viel hast und das Behältnis dicht ist? Ekstase. Wenn du viel hast und dein Behältnis nicht dicht ist, dein Bewusstsein und dein Horizont nicht weit sind, dann verursacht das Probleme. Das Gleiche gilt, wenn du wenig hast. Wenn dein Herz nicht groß ist und du kein Vakuum kreieren kannst, dann wird nichts zu dir kommen. Was trägt deinen Geist, macht dich groß, weit und gibt dir Ekstase? Der lang, tiefe, langsame Atem.

Kontraktion und Expansion, Pratyahar and Pranayam sind die Gesetze des Lebens. Wann, wo, warum und wie? Das ist das technische Wissen.

Nutze das Geschenk deines Lebens
Letztendlich müssen wir alle irgendwann gehen, genauso, wie wir alle gekommen sind. Die Lebensspanne zwischen dem Kommen und dem Gehen dauert nur eine bestimmte Zeit. Jemand, der dabei bewusst bleibt, das ist einer, der Bewusstheit wissentlich lernt, das ist jemand, der Quellen finden kann, die ihm technisches Knowhow zum Thema Bewusstsein vermitteln können, so dass er in der Lage ist, ein bewusstes Leben zu führen. Ohne eine bewusste Lebensführung besteht das Leben aus einer Reihe unbewusster Gewohnheiten und man findet am Ende heraus, dass man nichts erkannt hat. Einige Menschen haben so viel Pech, dass sie noch nicht einmal die Hölle finden können und ihr redet vom Himmel! Diese Menschen treiben sich in der Mitte herum.

Jemand fragte einmal irgendjemanden: „Wohin bist du gegangen?“
Er antwortete: „Ich traf auf einen Typen, der sagte: Lass mich dich zu Gott führen.“ „Und hast du dich ihm angeschlossen?“ „ Na ja, der Typ ist losgezogen, aber ich habe auf ihn gewartet.“ Manche leben einfach nur, um auf das Leben zu warten, einige warten darauf, heilig zu werden.
Und dann ist der Zug abgefahren, das Prana (die Lebensenergie) verlässt den Körper und der Mensch fällt tot um. Wartend. Danach warten seine Praxis und seine Meditation so sehr, dass seine Seele hier verharrt. Sie hängt herum. Sie wartet.

yoga-1132798_640In Wirklichkeit geht dem schöpferischen Bewusstsein um das Kreieren. Es kreiert und kreiert und kreiert und kreiert und kreiert bewusst. Kennt ihr Malas (Gebetsketten)? Hat jemand eine Mala dabei? Ja! Ihr meditiert auf Sat Nam, Wahe Guru oder auf was immer ihr wollt. Es ist völlig wurscht. Hallelujah, Shalom‚ Ich bin–Ich bin’, ’Du bist-Du bist’, ‚Du bist wunderschön’, ‚Ich bin krank’, ‚Ich bin gesund’ – was auch immer du sagst, das sind alles Mantras. Auszeiten und die Sorge um ein inneres Gleichgewicht sind die zwei Schönheiten des Lebens, sie zeigen auf, dass du den Willen besitzt zu leben. Du gehst also durch die Perlen der Mala und wenn du oben angekommen bist, dann drehst du die Kette BEWUSST um. Das ist eine bewusste Handlung, du unterbrichst die Routine, wenn du die Guru-Perle fühlst und drehst die Kette in die andere Richtung. Wenn du versehentlich träumst oder eingeschlafen bist, dann hältst du die Perlen der Marla irgendwo fest. Du meditierst nicht mehr.

Lebe bewusst
Das Leben sollte sehr bewusst gelebt werden, aus diesem Grunde wurde dir dieses Leben geschenkt. Aus diesem Grunde besitzt du zwei Nasenlöcher und nicht nur ein Nasenloch. Das linke Nasenloch Ida und das rechte Nasenloch Pingala wahren deine Temperatur. Der Atem ist das Geheimnis des Lebens, der Atem ist die Freude des Lebens, und der Atem ist der Magnet des Lebens. Wenn du also singst, dann schwingst du und ziehst du alles an und das umschließt Gott, der das Bewusstsein und der Schöpfer von allem ist. Das ist dein höchstes Bewusstsein. Und du bist, was du chantest. Wenn du ‚Sat Nam’ chantest, dann wird deine Identität Wahrheit sein. Wenn du ‚Wahe Guru’ chantest, dann wirst du dich an reinem Licht und Wissen erfreuen. Wenn du Hum, Hum, Hum chantest, dann wirst du zu einem mustergültigen Hum und wenn du Rum, Rum, Rum sagst, dann wirst du eine Menge trinken.
Für das Ego ist es sehr schwer, dich gehen zu lassen. Das Ego ist der größte Feind eines Liebenden. Wenn du dich mit deiner Identität gleichsetzt, wie kannst du dann mit der Identität eines anderen verschmelzen? Wenn du existierst, existiert auch dein Gegenüber. Wenn es zu keiner Vereinigung im Geiste kommt, wie können die Körper dann ineinander aufgehen? Wenn es zu einer Vereinigung im Geiste kommt, dann verbinden sich die Seelen ganz automatisch miteinander. Dann ist die Einheit da und es ist gleichgültig, ob man sich körperlich vereint oder nicht. Aber wenn sich die Körper vereinen und der Geist zweckorientiert ist, nach dem Motto, wir haben gut Liebe gemacht und nun gibt mir meine Partner etwas dafür, dann ist das ein Geschäft.
Auszüge aus einem Vortrag von Yogi Bhajan vom 16. Mai 1974

Das untenstehende Video stammt aus dem Jahr 1999. Yogi Bhajan erwähnt darin, dass man durch bestimmte Atemtechniken seine Nikotinsucht kontrollieren kann. Noch wichtiger ist, dass er 25 Jahre, nachdem er den obenstehenden Vortrag gehalten hat, nach wie vor insistiert, wie wichtig eine bewusste Atemführung für ein erfülltes Leben ist. “Das Lied des Lebens besteht absolut eindeutig aus dem Atem und seiner Frequenz.”

Ein Gedanke zu „Atem ist Leben

  1. Richard Friedel

    Marmamassage als Teil von Yoga ist nach meiner Erfahrung die richtige Behandlung für Asthma. Endlich aus der Spray- und Apparatewelt mit Marmayoga.
    Also man massiert die Oberlippe oder macht aufmerksam die Wechselatmung (Nadi Shodhana) und stellt eine Entkrampfung durch Reflex (Marmapunkt Phana) der Bronchien fest.
    Diese so heilsame Entspannung rührt von der Fingerdruckwirkung her.
    Dann statt mit Finger wird kräftig durch die Nase eingeatmet mit genau dieser Reflexwirkung und geübt. So soll auch ein Sprayentzug gelingen. Das ist Teil des in Russland so erfolgreich eingeführten Systems der Atemübungen nach Frau A.Strelnikova (Googeln)

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